Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wesentlich bleibt auch hier nur der Überblick über das Ganze. Als charakteristische Merkmale des Deuteronomiums sind hervorzuheben vor allem die in Kapitel 12 gebotene Zentralisation des Gottesdienstes, die eine entscheidende Wendung im religiösen Leben der Juden herbeiführen sollte, dang das Gebot der Austilgung aller heidnischen Elemente aus dem Jahwekultus (vergl. Kapitel 12, 29 ff.; 13; 17. fsi), die Feier der Festtage im Zentralheiligtum in Jerusalem (Kap. 16) und die durch hie Zentralisation bedingte Verpflanzung der Höhenpriester nach der Landeshauptstadt. Auch die Gründe dieses Vorgehens sind zu erörtern : man wollte dem götzendienerischen Unfug steuern, der zweifellos in vielen lokalen Heiligtümern getrieben wurde; die Zustände, die besonders unter Menasse herrschend waren, hatten das Deuteronomium veranlaßt. Indem man in D den Höhenkult als illegitim bezeichnet^ hoffte man für immer der Wiederkehr jener schmachvollen Verhältniffe vorzubeugen,' die unter dem Sohne Hiskias an der Tagesordnung waren. Ferner muß das Verhältnis der seitherigen Hohenpriester zu den jerusalemischen Amtsgenossen beleuchtet werden. Es ist därauf hinzuweisen, daß die Unterscheidung zwischen Priestern und Leviten, die in P streng - durchgeführt ist, durch I) angebahnt wird. Hervorzuheben ist endlich auch der prophetische Geist, der sich in zahlreichen Stellen des Deuteronomiums offenbart und besonders in den Kapiteln 6, 4—9; 10, 12 ff.; 23, 16.17 und 24, 6 ff. herrlichen Ausdruck findet. Im unmittelbaren Anschluß an D wird sodann der Inhalt des Buches Jeremia noch einmal mit den Schülern zu besprechen sein, weil er beweist, wie wenig populär die Kultusreform des Josia geworden war. Der Götzendienst mit all seinen nichtswürdigen Bräuchen stand wieder in vollster Blüte (Jer. 7, 6—9. 17 f.), und das Volk dachte nicht an Umkehr. Deshalb, verkündet Jeremia die Zerstörung Jerusalems, und der Gang der Ereignisse gibt seiner Auffassung recht. Das Jahr 586 wird das Todesjahr der nationalen Selbständigkeit Judäas; die Blüte der Nation wandert ins babylonische Exil. Im Exil aber wirktje der Prophet, den Wellhausen treffend als „das Mittelglied zwischen Prophetie und Gesetz" (Prol. S. 427) bezeichnet: Ezechiel. Seine religiösen Ideen sind bereits auf der Mittelstufe behandelt. Ihre Wiederholung auf der Oberstufe ist indessen umso dringender geboten, als nur durch Ezechiel der Weg von v zu P verständlich wird. Die Kapitel 40 bis 46 brauchen dabei nicht einmal gelesen zu werden. Es genügt, wenn ihr Inhalt kurz zusammengefaßt vorgetragen wird. Die Stelle 44, 9 ff. müssen allerdings die Schüler im Wortlaut kennen lernen, weil gerade diese Stelle die strenge Scheidung zwischen Priestern und Leviten, zu der D den Grund gelegt hat, eine außerordentliche Verschärfung erfährt. Im Anschluß an Ezechiel mag noch die Verschmelzung von J, E und D erwähnt sein, die in dieser Periode erfolgt sein dürfte. Auch dae Überarbeitung und der Abschluß des Geschichtswerkes, das bei dem Tode Josuas einsetzt und mit der Befreiung des gefangenen Jojachin endigt (Ri., J. und II. Sam., I. und II Kön.), ist als ein Erzeugnis des babylonischen Exils hier hervorzuheben. Indessen muß auf eine eingehendere Besprechung der betreffenden Bücher