Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 251 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 251 — Wort mehr zu verlieren; nur üier seinen Umfang, über die Grenzen, die ihm anzuweisen sind und die er nicht überschreiten darf, mag noch einiges bemerkt werden. Vor allem dieses: der bibelkriiische Unterricht darf in der Schule niemals kritische Kleinarbeit leisten wollen, w:il der Schüler ihr doch nicht gewachsen ist; er darf sich auch nicht in kleinliche Einzelhüten verlieren, die für den Forscher von Wichtigkeit sind, den Schüler aber nur verwirren. Uni^ dann: es kann nicht oft und scharf genug betont werden, daß es der Schü e lediglich darauf ankommen muß, ein übersichtliches Gesamtbild der Entwicklung zu s Haffen, wie es nach den unbestrittenen Ergebnissen der Wissenschafi feststeht. Nur was in der maßgebenden wiffenschaftlichen Welt bereits allgemeine Anerkennung gefunden ha, darf berücksichtigt werden. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen will ich nun noch den Umfang des darzubietenden Stoffes und l)ie Art seiner Behandlung auf der Oberstufe kurz skizzieren. Zunächst muß vor den Schülern die Stellung Moses zum Pentateuch erörtert werden, und da dürfte es denn w)hl das allein Richtige sein, von vornherein rückhaltlos einzugestehen, es sei nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, ob und welche Abschnitte im Pentateuch direkt von Ml se herrühren. Wohl aber bleibe das Eine über allen Zweifel erhaben, daß Mose als der Befreier Israels aus dem Sklavenjoche Egyptens seinem Volke zugleich den Glaub m an Jahwe, den Gott Israels, gegeben hat. Wodurch wir diese Auffassung vor den Schülern begründen? Durch die Wucht der überlieferten Tatsachen. Mit Recht bem wkt Kautsch in seinem „Abriß der Geschichte des alttestamentlichen Schrifttums: „Kein Volk hht je sich selbst ohne Grund nachgesagt, daß es von einem anderen schmählich geknechtet worden sei; keines hat je die Tage seiner Befreiung vergessen. Und so lebte n Israel durch alle Jahrhunderte unauslöschlich die Erinnerung fort, daß es dereinst von Jcshwe, dem Gotte seiner Väter, mit starker Hand und ausgerecktem Arm aus Egypten, d^m Sklavenhause, ausgeführt ward, daß es besonders bei dem Zuge durch das Schilfcheer den mächtigen Schutz seines Gottes zu erfahren bekam. Als seines Werkzeugs abe^ hatte sich Jahwe eines Mannes bedient, der nachmals nie wieder seinesgleichen gefunden. Er Halle sein Volk gelehrt, seinen höchsten Stolz darin zu erblicken, dieses ^Gottes Volk zu heißen, seine höchste Freude darin, ihn zu preisen und durch Opfer tznd Gaben zu verehren." Ich dächte, die Stellung, die bei einer solchen Geschichtsauffassung dem Mose zugewiesen wird, ist eine so bedeutsame, daß die gewaltige Persönlichkeit dieses einzigartigen Volksführers dadurch von ihrem Glanze nichts verliert. Jn!l Anschluß an diese Darlegung sind dann diejenigen poetischen Stellen aus der heiliger Schrift zu lesen, die nach dem übereinstimmenden Urteil aller Forscher als die ältesten Bestandteile der biblischen Bücher überhaupt angesehen werden müffen. Ich nenNe hier das Deborahlied und die Fabel Jotams aus der Richterzeit, Davids Trauerlied auf Saul und Jonathan, sowie sein Trauerlied auf Abner und die Parabel Nathans aus der Zeit Davids, ferner den Segen Jakobs und die Bileamssprüche, die nach der herrschenden Ansicht im Zeitalter Salomos ent-