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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-11-01 · Heft 11-12 (1.11.1906) · p. Seite 247

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 11-12 (1.11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 247 (sequence 9)
Language
German
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247! sanier Strenge wußten sie alle heidnischen Einflüsse von ihr fernzuh^lten. Sie sind „die definitiven Constitutoren des Judentums geworden" (Wellh., Jsr^ u. jüd. Gesch. S. 177). Diese Tatsache rechtfertigt die Besprechung der Bücher Esra und Nehemia im Religionsunterricht der Mittelstufe unmittelbar nach den Reden des Ezechiel. Die beiden Bücher der Chronik aber werden auf dieser Stufe noch nicht behandelt. Stofflich Neues vermögen sie ja nicht mehr zu geben; und die tendenziöse! Darstellung der Geschichte der Königsperiode, wie .wir sie in der Chronik lesen, dgrf den Schülern der Mittelstufe noch nicht dargeboten werden. Denn ein gesundes Urttil über die Entstehung dieser Art von Geschichtsschreibung und über die Verhältnisse, in denen sie wurzelt, werden sich die Schüler erst dann bilden können, wenn sie einen klaren Überblick über das ganze Gebiet des biblischen Schrifttums nach dem heutigen Stande der bibelkritischen Wissenschaft erlangt haben. Das kann ihnen aber ers^ der Religionsunterricht der Oberstufe bieten. Dagegen müssen'auf der Mittelstufe sieben Esra und Nehemia noch die beiden Bücher Jona und Rut, ersteres aus der Reihe der sogenannten 12 kleinen Propheten, im bibelkritischen Sinne besprochen werden, inhem man sie als literarische Erzeugnisse der nachexilischen Periode hinstellt, in denen noch einmal der alte prophetische Geist sich regt, um gegen die allzu strengen Abschließungsmaßregeln der Esra'schen Schule mit vollem Bewußtsein Protest zu erheben. In diesem Zusammenhang lernen die Schüler den hohen religionsgeschichtlichen Wert dör beiden kleinen Bücher erst recht verstehen. Bibelkritisch ist auch die Behandlung, die jdas Buch Daniel auf dieser Stufe erfährt, indem man es nach den allgemein anerkannten Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung in die Zeit der Makkabäerkämpfe verlegt in der es als ein Trostbuch entstanden ist, das den in heißem Kampfe um ihre nationale und religiöse Existenz ringenden Juden Mut einsprechen will. Nur bei einer solchen Betrachtungsweise ist es möglich, die Schüler für das Buch Daniel, das sonst überhaupt nicht zu verstehen wäre, in hohem jNaße zu interessieren. Auch bei den anderen Büchern der K*[ tubim sprechen, soweit insbesondere ihre Abfassungszeit in Frage kommt, durchweg bibelkritische Erwägungen mit. Nur kann man verschiedener Meinung darüber sein, ob diese Erwägungen auch bei der Behandlung der betreffenden Bücher im Religionsunterricht der Mittelstufe entscheidend sein dürfen. Gewiß wird man z. B. bei den Psalmen hervorheben, da!ß trotz der entgegenstehenden Überschriften nicht ein einziger Psalm mit Bestimmtheit Dapid zugeschrieben werden kann, ja, daß sogar die meisten dieser Lieder wahrscheinlich erst isi der nachexilischen Zeit entstanden sind, aber allzuviel Gewicht darf man auf diese ^rage nicht legen. Denn schließlich ist es für die religiöse Wirkung der Psalmen gleichgültig, wer sie gedichtet hat; sie bleiben Perlen der Erbau-, ungspoesie, mögen sie vor, j in oder nach dem Exil entstanden sein. Geradezu widersinnig wäre es, wollte man bei der Behandlung einzelner Psalmen in der Schule die Zeit ihrer Entstehung Erörtern. Das sind Spezialfragen, die in den Rahmen des - religiösen Unterrichts nicht yineingehören. Ein Gleiches gilt von den Sprüchen Salo-

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