Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 246 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2970002-2970013--8117-2978820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
246 Kapitel 18 und 19 aus ii. Kön. hercingezogen werden. Auf diese Weise bekommen die Schüler ein anschauliches Bild von dem Charakter des Jesaias. Sie lernen den überragenden Einfluß des außerordentlichen Mannes auf das ganze öffentliche Leben seiner Zeit und au!f die religiös-sittlichen Anschauungen auch der kommenden Geschlechter verstehen und würdigen. Dieses Ziel aber kann nur erreicht werden, wenn die Jesaianischen Reden in der vorstehend angedeuteten Art zergliedert,' gelesen und besprochen werden. Ich habe bis jetzt immer gefunden, daß eine solche ernste, kritische Betrachtung nicht nur das BersPndnis der Schüler für die Größe unserer Propheten weckt, sondern ihnen den Unterricht auf diesem Gebiet; auch lieb und wert macht. In ähnlicher Weise Werdern nun auch die übrigen Propheten behandelt. Entsprechend ihrer Bedeutung stehen Amos, Hosea, Micha, Jeremias, Ezechiel und D^uterojesaias im Vordergrund des Interesses. Hauptziel bleibt dabei, den Schülern zum Bewußtsein zu bringen, daß unsere Propheten die höchsten religiösen Werte der Menschheit geprägt haben. Von Amos ausgehend, der mit der Vorstellung des nationalen Gottes aufgeräumt und den Begriff des gerechten Weltengottes geschaffen hat, führt der Weg über Hosea, der den Gott der Liebe bchrt, über Jesaias, der Gottes Heiligkeit als Vorbild für die Menschen predigt, und über Jeremias, der die Herzensfrömmigkeit des Einzelmenschen als das Ideal der Religion hinstellt bis zu dem zweiten Jesaias, der im Namen dessen spricht, den er als den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde preist. So lernen die Schüler den ethischen Monotheismus unserer Propheten begreifen. Sie erkennen in hem prophetischem Glauben den Glauben „an die sittliche Weltordnung, an die ausnahmslose Geltung der Gerechtigkeit als obersten Gesetzes für die ganze Welt" (Wellh., Jsr. u. jüd. Gesch. S. 113). Die Propheten werden ihnen zu Männern, die „zwar durchaus von der Zeit ausgehen, sich aber zu ewig gütigen Gedanken erheben . . . und die wissen, daß sie nicht für die Gegenwart arbeiten" (a. a. werden bei der Entwicklung dieser Ideen aus den prophetischen Schriften auch die Sittenlehren, Rechtsgrundsätze und sozialen Vorschriften äus dem Pentateuch, die bereits auf der Unterstufe besprochen und zum Teil memoriert worden sind, imrner. wieder zum Vergleiche herangezogen. Die Schüler bekommen auf diese Weise allmählich einen bestimmten Schatz sittlich-religiöser Begriffe, die sie aus der Bibel geschöpft haben und bio ihnen die Bibel wert und teuer machen. kritisch behandelt und als die Träger großer und Schülern erkannt worden sind, werden nunmehr die bibelkritischen Standpunkte aus, cht kommen dabei an erster Stelle die historischen im unmittelbaren Anschluß an Ezechiel durchzunehmen den Jdeengang dieses Propheten fortsetzen. Ezechiel . Nachdem so die Propheten ewiger religiöser Ideen von den wichtigsten der" tubim. und zivar ebenfalls vom eingehend besprochen. In Betrg! Schriften Esra und Nehemia, die sind, weil sie in gewiffem Sinne des Volkes auf das Gesetz dieser ist der Schöpfer der Kultusgememde; Esra und Nehemia haben durch die Verpflichtung Gemeinde den festen Halt gegeben, und mit unbeug-