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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-11-01 · Heft 11-12 (1.11.1906) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 11-12 (1.11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 245 (sequence 7)
Language
German
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245 denken; damit aber auch an die prophetische Mahnung; im Bilde sieht, hört er die göttliche Verheißung: Ich werde wachen über meinen Ratschluß^ ihn zu erfüllen. Und unwillkürlich muß er weiter denken: Das ist's! Das trifft! sind er hört darin die Stimme Gottes: „Du hast gut gesehen!" — Und solches wiederholt sich. Welche Schau er hat, was er sieht, es verwandelt sich in seine eigenen Gedanken." Soweit die Lazarus'sche Darstellung der Berufung des Jeremias. Ich habe gefunden, daß sie den Schülern für den unhaltbaren Glauben an eine Berbalinspiration einxn Ersatz bietet, der ihnen die höchste Befriedigung gewährt: sie erkennen die Verwandtschaft der Prophetenseele mit der Künstlerseele; sie ahnen, daß in beiden sich die gleiche Offenbarung vollzieht. Nachdem die Schüler so das Wesen der Prophetie erfaßt haben, kann mit der Besprechung der einzelnen Propheten begonnen werden. Ich will an dchr^Beispiel des Jesaias darlegeu, wie diese Besprechung in bibelkritischem Sinne geschehen muß. Zunächst sind alle diejenigen Stellen auszuscheiden, die nach den feststehenden Ergebnissen der Wissenschaft nicht von Jesaias herrühren können. Ich rechne dahin außer Deuterojesaias die Kapitel 13: 14, 1—23; 21; 24—27 und 34. Die nun noch verbleibenden Kapitel werden in der Schulbibel mit Auswahl gelesen und während des Unterrichts eingehend besprochen. Es ergibt sich für diese Behandlung fast von selbst die nachstehende Reihenfolge: Zuerst Kapitel 6 als das Kapitel der Berufung. In der. Besprechung dieses Kapitels werden die Hauptgedanken des Propheten hervorgehoben: Gott als der Heilige will durch Wort und Beispiel seines Propheten duch die sündigen Menschen zur Heiligkeit erziehen. Aber die große Masse ist der Aufgabe nicht gewachsen; sie geht an ihrer sittlichen Schwäche zu Grunde. Nur ein kleiner Überrest bleibt bestehen; er wird der Träger des kommenden Heils; aus ihm wächst die künftige Gemeinde der Frommen heraus. Im Anschluß an diese Darlegung werden sodann die Kapitel 1 bis 5 und 9 bis 12 gelesen und besprochen; sie bilden gleichsam den Kommentar zu den Grundgedanken des Berufungskapitels und gebe« den Schülern ein außerordentlich klares Bild von der sittlichen Weltanschauung des Propheten. Doch auch die politische Tätigkeit des Jesaias muß dem Verständnis der Schüler nahe gebracht werden. Denn im Grunde ist sie nichts anderes als eine Übertragung seiner! sittlich-religiösen Ideen auf das politische Gebiet: Juda darf nicht untergehen; ein Überrest muß als heiliger Same bleiben. Darum errettet Gott seine Frommen aus der Gewalt ihrer Feinde. Felsenfestes Vertrauen auf Gott ist also die Forderung des Propheten an sein Volk. Zur Veranschaulichung dieser Gedanken sind insbesondere die aus der Zeit des syrisch-ephraimitischen Krieges stammenden Kapitel 7 — 9, 6 zu lesen, und dann in chronologischer Reihenfolge unter stetem Hinweis auf die entsprechenden politischen Vorgänge die Kapitel 28 (etwa aus dem Jahre 724), 20 (etwa aus dem Jahre 711) 18, 29, 30 und 33 (etwa aus dem Jahre 705),') zu deren Ergänzung dann noch die 1) Ich gebe hier die Jahreszahlen wieder, die für die Entstehungszeit der einzelnen prophetischen Reden von den Forschern übereinstimmend als richtig anerkannt werden.

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