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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-11-01 · Heft 11-12 (1.11.1906) · p. Seite 244

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 11-12 (1.11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 244 (sequence 6)
Language
German
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244 Äbfassungszeit der einzelnen Bücher und die chronologische Reihenfolge der einzelnen Kapitel erörtert. Hauptsache ist und bleibt, daß die Schüler auf dieser Stufe sich zu der Erkenntnis durchringen: die jüdische Religion ist etwas Gewordenes; sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte Allmählich entwickelt! Auch für die Behandlung der Ki tubim bleibt dieser Grundsatz maßgebend; auch bei ihnen ist deshalb der Schwerpunkt auf die in den einzelnen Schriften zum Ausdruck kommenden Ideen zu legen. Ehe nun die prophetischen Bücher im Unterricht besprochen werden, muß den Schülern zunächst in einer einleitenden Betrachtung unter Hinweis auf die markanten Stetten II. Kön. 9, 11 und I: Sam. 10, 10 ff. in Verbindung mit I. Sam. 9, 6—10 und I. Kön. 14, 2 ff. zum Bewußtsein gebracht werden, daß auch die Prophetie in Israel sich erst allmählich entwickelt hat. Die in ekstatischem Zustande für Geld weissagenden Seher der Vorzeit haben mit den gewaltigen Sittenpredigern des VIII. und VII Jahrhunderts nur noch so wenig gemein, daA Amos (7, 14) sich geradezu selbst in einen bewußten Gegensatz zu jenen weissagendett Propheten stellt. Also auch hier die Entwicklung von der Tiefe^ zur Höhe. Im Anschluß an diese Erkenntnis muß nunmehr das^Wesen der Offenbarung festgestellt werhen. Die Schüler müssen Klarheit darüber erlangen, ob.der Glaube an eine Berbalinspiration aufrecht erhalten werden kann, oder ob er nicht vielmehr durch eine unserem modernen Denken näher liegende Auffassung zu ersitzen ist: durch den Vergleich der prophetischen Seele mit der des Dichters. Das läßt sich am besten an einem konkreten Beispiele veranschaulichen, und das wirksamste Beispiel hat uns in dieser Beziehung Prof. Moritz Lazarus in seiner ausgezeichneten Schrift über den Propheten-Jeremias gegeben, ein Beispiel, auf das ich meine Schüler immer aufs neue Hinweise, um ihnen däs erhabene Wesen prophetischer Offenbarung im Sinne unserer modernen Weltanschauung so recht eindringlich vor die Seele zu stellen. Ich lasse die Berufung des Jeremias (Jer. 1) in der Darstellung von Lazarus hier wörtlich folßen: „Jeremias ist sehr jung,— ein Nar^r: Wie er sich berufen fühlt, als Prophet aufzutreten, ist ein Gespräch zwischen ihm und Gott. Es ist die Überlegung in seinem Jynern: Kannst Du es? Ich bin ja noch jung und kann nicht reden, sagt er. Also so! jung. — Aber gleichwohl ist sein Inneres bereits voll von den Gedanken, die er zu verkünden hat. Wir können uns denken, daß er seine Jugendjahre vorzugsweise mit dem Lesen der alten Propheten ausgefüllt hat, des Amos und des Hosea, des Jesaias und Micha, soweit sie ihm zugäsiglich waren .... Sagenhaft also klingt das Wirken der Propheten zu ihm herüber. Er fühlt sich umsomehr gedrängt, aufzutreten als Prophet. Ußd nun umweben und umschweben ihn fortwährend seine prophetischen Gedanken. Er geht hinaus ins Freie. Er sieht einen Mandelbaum. Der Mandelbaum heißt auf hebräisch der „Baum des Erwachens." Eine feine Bezeichnung: die Mandelblüte ist die erste-, welche im Frühjahr das Auge aufschlägt. Die Natur erwacht mit dieser Blüte des Mandelbaumes; deshalb heißt er der Baum des Erwachens. — So wie er nun das Bild des Baumes sieht, müß er an den Begriff des Erwachens und Wachseins

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