Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 242 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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242 ausgeschalteten Schriftstellen und halten sie nicht für geeignet, uns bei dem Erziehungswerk zu unterstützen. Eine den Schülern unbewußte:. Bibelkritik ist es auch, wenn wir die Erzählung von der sprechenden Eselin Bileams oder einige von den Wundertaten Elisas'im Religionsunterricht der Unterstufe übergehen, weil diese Erzählungen weder poetischen Gehalt, noch besonderen sittlichen Wert haben und zudem einen Wunderglauben voraussetzen, den wir selbst, be Kindern im Alter von 10—14 Jahren nicht mehr finden. In vereinzelten Fällen muß aber auch auf dieser Stufe schon die kritische Betrachtung der heiligen Schrift den Schülern zum Bewußtsein gebracht werden, wenn anders man ihnen das Verständnis füh bestimmte Vorgänge aus dem Leben biblischer Charaktere erschließen will. Die Persönlichkeit Elias z. B. kann bei 12—14-jährigen Kindern nur gewinnen, wenn seine Himmelfahrt, wie die Bibel sie erzählt, als eine jener Sagen hingestellt wird, in denen ein Volk das Ende seiner großen nationalen Helden poetisch verklärt, weit es ihren natürlichen Tod nicht zu fassen vermag. Ein Vergleich mit der Sage von dem im Kyffhäuser chlummernden Barbarossa wird den Schülern den ganzen Vorgang erst recht nahe brinoen und ihnen die Gestalt des Elia noch lieber und vertrauter machen. Ich kann auch ntcEjt einsehen, warum die Erzählung des Buches Jona picht schon auf dieser Stufe als das bezeichnet werden soll, was sie ist: eine Parabel, hie in dem Gewände der Dichtung einen der erhabensten Gedanken der heiligen Schrift <jum Ausdruck bringt : den Glauben an Gott als den Liebevollen Vater aller Menschen, her seinen Kindern ohne Rücksicht auf ihr religiöses Bekenntnis aus der Fülle seiner Barmherzigkeit Verzeihung spepdet. Und — um noch ein Beispiel anzuführen — muß sticht auch das Buch Hiob schon. Kindern von 13—14 Jahren als eine Dichtung dar- . gestellt werden, die nicht tatsächliche Vorgänge schildert, sondern mit glänzender, poetischer Gestaltungskraft das Problem behandelt, ob wir trotz der vielen Ungerechtigkeiten, die das Leben uns schauen läßt, doch an einen, gerechten Weltengott glauben können. Diese Beispiele mögen genügen. Sie sollen den Beweis erbringen, daß man selbst auf der untersten Stufe der religiösen Unterweisung auf Bibelkritik nicht ganz verzichten kann. Inder Hauptsache ist hier die Bibelkritik für den Schüler allerdings eine passive: der Lehrer scheidet nach eigenem! Ermessen ') aus dem Unterricht diejenigen biblischen Stoffe stus, die mit unseren heutigen Anschauungen im Widerspruche stehen, und bietet so der Schule cpne im Vergleich zur Bibel wesentlich verkürzte biblische Geschichte dar. Nur bei den oben angeführten Beispielen Elia, Jona, Hiob und ähnlichen wird die Bibelkritik huch für den Schüler eine aktive; es kommt ihm zum Bewußtsein, daß nicht alle in her Schrift geschilderten Vorgänge sich tatsächlich vollzogen haben; er lernt unterscheiden zwischen Dichtung und Wirklichkeit, zwischen Sage und Geschichte. Aber diese tätige Teilnahme der 12—14-jährigen Kinder an der kritischen Betrachtung der Bibel bewegt sich nur in ganz engen Grenzen und darf sich auch nur in vereinzelten Fällen geltend *) Wünschenswert ist allerdings, daß in dieser Bezeichnung einheitliche Pläne ausgestellt werden.