Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Or. Adotf WrM's Populär wissenschaftliche Monatsblätter zur WeteHrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ de» Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes zum Preise von IM. 6.— pro Jahrgang. 26. Jahrgang. Franks,rt a. SW., den 1. November 1906. Doppel-Dummer 11 und 12. Librlbritib i« Ikeligionsuiitrrrlckt.' Von Rabbiner Dr. Coblenz in Bielefeld. Die Frage, ob Bibelkritik im Religionsunterricht überhaupt zulässig sei, ist im Prinzip längst entschieden. Ein Religionsunterricht, der von vornherein alle Bibelkritik ablehnt, ist heute nicht mehr möglich. Sogar die Unterstufe der religiösen Unterweisung, welche die Kinder bis zum 14. Lebensjahre umfaßt, denen sie die Elemente der Bibelkunde vermittelt, kann die Bibelkritik nicht ganz entbehren. Es gibt Stellen in der heiligen Schrift, die mit unserem Gottesbegriff und unserer Auffaffung von Moral nicht mehr vereinbar sind und deshalb gerade den Schülern der Unterstufe vorenthalten werden müffen. Ich erinnere hier beispielsweise an den Fluch (Lev. 26, 14 ff. und Dt. 28, 15 ff.), ferner an die Greueltaten bei der Eroberung Kanaans durch Josua (Jos. 6, 21 ff.; 8, 24 ff.; 10, 10 ff. 22 ff.), an die einen sittlichen Tiefstand verratenden Vorgänge aus der Richterzeit, an die Erzählung vom Tode Ahasjas (II. Kön. 1, 9 ff.), an die Ausrottung des Hauses Omri auf Anstiften Elisas (II. Kön. 10, besonders 10, 28—30) usw. usw. Indem wir solche Stellen der heiligen Schrift im Jnteresie der Erziehung unserer Jugend zur Sittlichkeit im Religionsunterricht ausschalten, treiben wir, wenn auch den Schülern unbewußt, Bibelkritik. Wir verurteilen die von uns *) Der Aufsatz ist in der Oktobernummer der rJewish Quarterty Review“ in London erschienen.