Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 235 — Religion der Freiheit, die nichts fepnt als den Despotismus, eine Religion der Humanität, die stets nur die grausamste Barbarei ansgeübt hat. Die Christen find erst menschlich geworden, seitdem sie an ihre Religion nicht mehr glauben, seit der Renaisiance und der Reformation. Ein Protestant ist ein Katholik, der den Aberglauben der Dreieinigkeit verläßt, um dem jüdischen Monotheismus entgegen zu gehen. Der Jude seinerseits muß die andere Hälfte des Weäes machen. Ich bin nun Protestant geworden. Ich bin in die Festung eingetreten, ujn sie besser zerstören zu können. Aber ich zerstöre zur selbigen Zeit die jüdischen Bollwerke, damit beide sich vereinigen auf dem gemeinsamen Felde der Freiheit." — Auf Anlegung des Rabbiners Dr. Julius Fischer beschloß die israelitische Kultusgemeinde in Budapest einen Weltkongreß der jüdischen Gemeinden einzuberufen, auf welche die Schritte beraten werden sotten, durch welche die Mächte zu einer Intervention zugunsten des-russischen Juden veranlaßt werden könnten. — Die Stadt Joachimstal besitzt eine Sammlung wertvoller alter Drucke und handschriftlicher Bücher, welche Ende der Sechziger-Jahre des vorigen Jahrhunderts von dem damaligen Studenten und gegenwärtigen Egerer Archivar kais. Rat Dr. Karl Siegt unter einem Dachverschlage des Rathauses in Joachimstal aufgefi nden, von ihm geordnet und von Flor. Vogel in den „Mitteilungen des Vereines für Geschick te der Deutschen in Böhmen" vom Jahre 1871 — 72 beschrieben worden sind. Bon den Manuskripten ist insbesondere eine umfangreiche, ganz auf Pergament geschriebene hebräische Bibel aus dem Jahre 1384 erwähnenswert. — Frau Witwe Sigmund Gomperz in Budapest einer durch ihren Edelsinn und ihre Munifizenz bekannten Dame, wurde von Sr. Majestät in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der Kultur und der öffentlichen Wohltätigkeit bekundeten Opferwilligkeit das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Frau Rosa Gomperz hat vor Kurzem die wertvolle Bibliothek des unvergeßlichem Prof. Tr. David Kaufmann, um welche sich zahlreiche ausländische Bibliotheken bewarben, der ungarischen Akademie der Wissenschaften geschenkt. Die Bibliothek ist bereits aufges ellt, geordnet undkatalogisiert. — Bei der Totenfeier am Versöhnungstage in diesem Jahre ward in allen Gotteshäusern der Wiener israelitischen Kultusgemeinhe ein besonderes in hebräischer Sprache abgefaßtes Gebet für die Opfer der russischen Judenverfolgung vor getragen, das in deutscher Übersetzung lautet ^Allmächtiger, voll Erbarinen, der Du den Tram rüden Trost gewährest, Schirm.und Hilfe Deines Volkes, des kleinsten unter den Völkern, d u- Tu rettest den Verfolgten aus der Gewalt seiner Feinde, gedenke an diesem heiligen Tage c uf Deinem erhabenen Throne der Seelen jener Tausende der Gemeinde Israels, die in Geradheit und Herzenseinfalt hienieden wandelten und die in den jüngsten Tagen in Rußland dem Schauplatz der blutigsten Verfolgungen, für die Heiligung Deines Pannus ihr Leben hingegeben haben: Männer, Frauen unv Kinder fielen in ungezählter Menge der Grausamkeit zum Opfer, durch Mord und Raub sind die Häuser verwüstet und zerstört, das vergossene Blut unserer unschuldigen Brüder schreit zum Himmel, der Jammer der verfolgten Juden dringt an Dein Ohr und Du vernimmst ihre Klagen in den Höhen, Dein Auge schaut vom Himmel auf die