Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 231 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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231 an inschriftlichen und archäologischen Funden gebracht hat. So wurde u. a. der Kopf eines jener überlebensgroßen Stiere mit Menschenhaupt gefunden, wie sie an den Eingängen assyrischer Paläste zu stehen pflegten, ferner eine archaische lebensgroße Statue aus basaltartigem Stein, leider ohne! Kopf, die vielleicht aus der Zeit um 2000 v. Chr. stammt. — In Breslau starb der Geheime Medizinalrat Dr. Hermann Cohn. Er war im Jahre 1838 geboren und wirkte in Breslau seit 1866 ununterbrochen, zuerst als außerordentlicher, ^äter als ordentlicher Professor. Auf dem Felde seiner Wissenschaft pflegte er als ein Sondergebiet mit großem Erfolge die ophtalmologische Schulhygiene, für die er durch zahlreiche vergleichende Untersuchungen Wichtiges geleistet hat. Aber auch für die Augenheilkunde im weiteren Sinne hat Cohn wertvolle Arbeiten gegeben, für die neben seinem ungewöhnlich umfangreichen Wissen die praktischen Erfahrungen in seiner Klinik grundlegendes Material boten, und die von bleibender Bedeutung sind. — Am 13. September wurde in Köni^stein eine Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Silberstein aus Wiesbaden eingeweiht. — In der Nationalzeitung schreibt der getaufte Bremer Hauptpastor Moritz Schwalb über „Die theologische Lösung der Judenfrage." Er preist darin das Friedländersche Werk über die religiösen Bewegungen innerhalb des Judentums wacker an. Bon Friedländer schreibt er: „Jesu Frömmigkeit und Menschenliebe betrachtet er ials ganz einzigartige, alles ähnliche übertreffende Erscheinungen, Jesu Tod nennt er, allerdings mit einer etwas unklaren Interpretation dieses Ausdrucks — einen „Opf^rtod", dessen Wirkung, die „Welterlösung" sein soll. Der Mann aber, der, als Btutzetzge seiner Lehre eines solchen Todes gestorben, ist der Messias, der Christus. Und diesen, von seinen Anhängern von Anfang an gegebenen inhaltsschweren Titel, gönnte ihm auch Friedländer von Herzen. Wenn nun auch solche Äußerungen nicht überall eine rückhaltlose Zustimmung wecken können, so sind sie doch sehr geeignet, eine Annäherung zwischen Synagoge und Kirche, vielleicht sogar Verhandlungen behufs einer Einigung beider, vorzubereiten. Wenn einmal unter den gebildeten Juden eine beträchtliche Anzahl dahin gelangt, mit Friedländer von Jesu zu sagen: „er war unser, und sein Evangelium ist unser", dann darf man hoffen, daß die theologische Lösung der Judenfrage in nicht allzu ferner Zukunft sich finden wird. Allerdings muß auf beiden Seiten einiges unumgänglich Notwendige geschehen, wenn Juden und Christen sich vereinigen, zu einer einheitlichen Religionsgemeinschaft sich verbinden sollen. Die Kirche muß alles, was ihrem Glaubensbekenntnis von Mytheismus und Menscheuvergötterung und ihrem Kultus von Wunderglauben anhaftet, beseitigen. Die Synagoge muß von ihrem nicht durch eine wunderbare Offenbarung angeordneteu Ritualgesetz sich gänzlich befreien und ihren veralteten, das Zusammenleben der Juden mit den Christen störenden Festkalender abschaffen. So schwer diese beiderseitigen Reformen auch sein mögen, in dem Bewußtsein zahlloser gebildeter Juden und zahlloser, von dem sehr altersschwach gewordenen Kirchenglauben befreiter Christen sind sie schon längst vollbracht. So darf man denn hoffen, daß sie sich auch auf dem Gebiet