Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 232 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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232 her äußeren Tatsachen endlich verwirklichen werden." — In Frankfurt a. M. wurde eine neue Straße „Sonnemanüstraße", nach dem Begründer der „Frankfurter Zeitung", Leopold Sönnemann, der sich jurn die Stadt Frankfurt große Verdienste erworben hat, benannt. — Am 22. September empfing in Karlsruhe der Großherzog, die aus den Herren Geh. Oberregierungsra^ Dr. Mayer, Konferenzrabbiner Dr. Appel von Karlsruhe und Stadtrat Stockheim von Mannheim bestehende Abordnung des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten. Si^ überreichte in kunstvoller Kapsel eine auf Pergament gemalte Widmungsurkunde, in der es heißt: Von dem innigen Wunsche beseelt, zu dem hehren Doppelfeste, daß in diesen Tagen die Herzen aller guten Badener höher schlagen macht, Eueren königlichen Hoheiten eine besondere Freude zu bereiten, haben namens der israelitschen Religionsgemeinschaften des Großherzogtums Oberrat und Synadolausschuß unter' lebhafter Zustimmung der israelitischen Gemeinden des Landes den Entschluß gefaßt, in dem Solbade Dürrheim ein Hospiz für israelitische Kinder und minderbemittelte Erwachsene zu errichten, daß mit Eurer königlichen Hoheiten gnädigster Erlaubnis Höchstihre Namen tragen und so für alle Zeiten ein Denkmal, der alle Kreise und Schichten des badischen Volkes mit gleicher Liebe umfassenden Wohlfahrtspflege sein soll, durch die unser hochherziger Landesvater und unsere treu sorgende Landesmutter nun schon ein halbes Jahrhundert lang in glücklichem und beglückendem Verein so reichen Segen gestiftet haben. Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer, der die Urkunde verlas, fügte folgende Worte hinzu: „Gepriesen sei der Weltenkönig, der einen Abglanz seiner Hoheit sterblichen Menschen verleiht!" Diesen alten Segen heten wir im Angesichte Euyerer königlichen Hoheiten mit besonderer Ergriffenheit. Möge der allgütige Gott die innigen Gebete und treuen Wünsche aus den Herzen aller Glieder der Landessyncigoge für Eure königliche Hoheiten und das ganze großherzogliche Haus erhören und in Erfüllung gehen lassen! Der Großherzog dankte für die Gefühle der Anhänglichkeit uyd Treue und den Ausdruck, den sie in der Ansprache gefunden, besonders aber auch für die wohltätige Stiftung, der-er seine besten Wünsche widme. Auch die Großherzogin drückte wiederholt ihrecherzliche Freude über die geplante Anstalt au» * fie werde sich nicht nehmen lassen, auch selbst zu der gewiß segensreichen Stiftung beizutragen, und freue sich, das; die reichen Erfahrungen, die man bei dem neuen Kindersolbade gemacht habe, hier gute Dienste leisten könnten. — In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" veröffentlicht Dr. Arthur Ruppin eine eingehende Abhandlung über Zahl und Verbreitung der Juden auf Erden. Erst seit wenigen Jahren ist es möglich geworden, den früheren sehr weit auseinandergehenden Schätzungen einigermaßen sichere statistische Angaben gegenüberzustellen. Man kann nunmehr mit einiger Sicherheit behaupten, daß auf der ganzen Erde gegenwärtig 11 Millionen Juden eben. Von diesen entfallen weitaus die meisten auf Europa, wo beinah 9 Millionen Juden leben. Hiervon kommen mehr als 5 Millionen auf das europäische Rußland. An zweiter Stelle erscheint Oesterreich-Ungarn mit rund 2 Millionen Juden, von denen