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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 229 (sequence 15)
Language
German
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— 229 — nicht beanspruchen zu können glaubte, das sott das Ansehen des weisen Kronenträgers bewirken, man wird die Ausführungen ernster Prüfung wert stnden. In dem ersten Schreiben s) legt PseudohHetet sein metaphysisches Bekenntnis ab, er huldigt der Lehre Heraklits ^om ewigen Kreislauf der Dinge, in orbem nexa sm?tomnia. In einen Kreis ist alles geflochten. Dieses Senecawort könnte als Zusammenfassung seiner Eingangsausftthrsingen-) dienen. Alles fließt, nichts bleibt. Wo ist die Dauer im Wechsel? Mit stoischem Ernst hat er sich.der Weisheit hingegeben, doch wie nachmals Faust, muß er sprechenj: „ich sehe, daß wir nichts wissen können, das witt mir schier das Herz verbrennen."^ Dann hat er als feinsinniger Epikuräer in erlesenen Genüssen geschwelgt, doch den Frieden und das Glück hat er nicht gefunden. Überall drängte sich ihm die Predigt der Eitelkeit und Vergänglichkeit auf. Im irdischen Besitz liegt nicht des Lebens Wert und Sinn, das sieht er. Wer weiß, so spricht er bedenklich, in wessen Hände des Reichen Schätze einst gelangen. In den Erkenntnisgütern erscheint ihm auch kein Segen, auch sie gewähren nicht Ruhe und Frieden. Wo liegt der Ausweg?4) Eines hatte der Zweifel vergessen: Gott, seine Gnade, seine Weltlenkung. Wohl ist des Lebens durchgeistigter Genuß schön, aber nicht Epikur kann ihn gewährleisten. Ans wahrem Gottbewußtsein entkeimt die rechte Lebensfreude. Ist auch das eitel und Jagd nach dem Wind, fragt der fromme Lehrer am Schlüsse dieser seiner ersten kurzen Entgegnung. 5) Der Kernfehler in der Lebensauffaffung „Kohelets" ist damit aufgedeckt. Der Mensch ist nur einer der Faktoren. Ohne Gott, auf sich attein gestellt, kann sich niemand wahres Lebensglück zimmern. Ein Valet an den Heidentraum, daß der Mensch aus eigner Kraft sein Leben zu einem'Kunstwerk gestalten könne. War einmal der Gottesgejdanke als die Lösung des Welträtsels dem Ringenden angegeben, so müssen fortan atte Bedenken „Kohelets" nach dieser Richtung konvergieren. Dem ist so. Das wilde Spiet des Lebens mit seinen tausend Gegensätzen, der wirre Wechsel von Leid und Freud' drängt auch im zweiten Briefe dem Skeptiker die Frage auf: Wo liegt das Bleibende? Ist Gott ein böser Zauberer, der den Menschen mit den finsteren Spukgestalten seiner großen Laterna magica narrt und nun behaglich zusieht, wie der Erdensohn sich zetmürbt, sie zu erfassen?") Darauf die Antwort'): Da^ bunte Vielerlei des Daseins mit seinen Widersprüchen und Gegensätzlichkeiten ist nur durch den Gottesgedanken zu klären und zu ordnen. Dann ahnen wir, daß jedes Ding an seiner stelle und zu seiner Zeit gut ist. Blicken wir auf das Ganze, was mir freilich nicht völlig, zu überschauen vermögen, was nur Gott vergönnt ist, so ist diese Welt die bestmöglichste. Daraus ergibt sich, daß Gott, der Gute und Weise, den Menschen, dem er che Ewigkeit ins Herz gelegt, auch für die Ewigkeit geschaffen hat, und daß der Mensch, so lange er hinieden lebt, fröhlich genießen soll und l) 1—2, 23. 2) 1, 4—9. In einem Gedichte von Ritterhaus finde ich eine moderne Paraphrase unserer Stelle: Es zieht die Erde ihre Bahn, und wo sie ausging kommt sie an; und alle, alle Sterne reisen, denn alles, <^lles geht in Kreisen. Fort strebt die Welt, der Riesengeist, sie geht im Kreis, wie alles kreist. -) 1, |3—18. 4) 2r 1—23. 5) 2, 24—26 6) 3, 1—10. 7) 3, 11—15. iÜüta

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