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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 228

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 228 (sequence 14)
Language
German
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228 Glosseine konnten unmöglich ihre Bedenken beschwichtigen. .Wer ans den Talmuden weiß, wie ernsthaft man sich gesträubt hat, Ezechiel zu kanonisieren, weil einzelne Verse darin vom Pentateuch abweichen, wird nicht gut beit Schriftgelehrten imputieren, sie hätten eine sadducäische Dendenzschrift, durch eine pseudopigraphische Überschrift und einige Interpolationen verleitet, heilig gesprochen. Wir wagen im Folgenden eine neue Hypothese über Entstehung und Absicht des Kohelet. Ein von griechischer Bildung berührter Jude, der noch in der vormakkabäischen Zeit lebte/) teilt seine Zweifel am Judentum in Briefen einem Schriftgelehrten mit und dieser gewinnt ihn allmählich für die jüdisch-p^isäische Weltanschauung, für den Gerichts- und Unsterk lichkeitsglauben. Die augenscheinliche Diskrepanz zwischen Verdienst. und Geschick verlangen die Annahme dieser Dogmen, weit nur so die Gerechtigkeit Gottes sich halten lasse. So ist die Schrift ein Propagandabüchlein in Briefen für die pharisäische Lehre des Weltgerichts und Auferstehung, die es als Postulate der göttlichen Gerechtigkeit nack weist. Die genauere Analyse des Buches, die wir geben werden, dürfte unsere Vernutung stützen. Vorerst aber wollen wir einen formellen Einwand zurückweisen. Das Koheletbuch läßt alle äußeren Anzeichen vermissen, daß es ein Conglomerat von Briefen sei. Anreden und Schlußformeln fehlen. Aus zwei Gründen scheint uns dies Argument keine erfolgreiche Gegeninstc nz zu sein. 1) fehlen die Anfangs- und Schlußzeichen einzelner Abschnitte und Lieder auch beim Hohen Liede-) > 2) können sie hier wie dort ursprünglich vorhanden gewesen und beim wiederholten Abschreiben verloren gegangen sein. Es mag bei der ersten Niederschrift durch ein Buchstabenzeichen oder durch einen Zwischenraum der Beginn eines neuen Briefes Die markiert worden sein, überlieferungswert. Vielleicht hat auch hie!r wie Mißverständnis gewaltet, als in dieser Annahme hat man stereotype Eingangs- und Schlußformel hielt man nicht fiir nach Budde3) beim Hohen Liede schon früh das hätte man es mit einem einheitlichen. Ganzen zu tun und die Zeichen, die auf den Briefcharakter der einzelnen Stücke hinwiesen und die man vielleicht nicht mehr verstand, weggelassen. X. Ein von griechischer Bildung stark beeinflußter Jude — so nehmen wir an — wendet sich in seinen Gewissensnöten an einen Schriftgelehrten. Mit den litterarischen Einkleidungsformen des Alexandrinismus wohl vertraut, legt der von hellenischer Weisheit erfüllte Israelit seine Bedenken und Zweifel gegen die Grundüberzeugungen des Judentums dem welterfahrenen Köllig Salomo in den Mund. Was er für seine Person *) vgl, Wildeboer Com, 113, Budde Com, S, XVI, -) a, a O,

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