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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 227 (sequence 13)
Language
German
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227 schaff soll nach Kohelet das Leben sein; die Sterne, die hie und da am Firmament aufblitzen, verglimmen schnell, und ringsum starrt dichte Finsternis. Dem geistvollen Georg Brondes'' gilt Kohelet als rationalistischer Philosoph, als Typus jüdischen Verstandes v)ne Schwärmerei, als der Stammvater aller scharfsinnigen Zweifler, ein jüdischer Voltaire, ein Geistesverwandter Heinrich Heines, ein feinfühliger Stimmungsmensch und doch ohne Hoffnung, der durch eine Welt — es ist der Hellenismus — von dem Glaubensleben seines Volkes getrennt ist und in der Überzeugung: Alles ist eitel, der Weisheit letzten Schluß erkennt. Die Widersprüche in imferei: Schrift erklären sich ihm wie anderen z. B. Wildebocr '> zwanglos aus dem impressionistischen Charakter der Schrift. Wenn dieser nur feststünde! Tyler^) schlägt einen anderen Weg zur einheitlichen Auffaffung unseres Buches ein. Der Verfasser soll darin die Philosophie sich selbst ad absurdum führen lassen. Die Stoa und der Epikmäismus widerlegen einander und der Ausweg ans den Zweifeln werde Glaube und Gesetzestreue empfehlen. Schade nur, daß die Analyse die Ungangbarkeit dieses Weges erweist. Schenkels glaubt Ordnung in das Chaos unseres Buches bringen zu können, indem er es als Dialog zwischen der falschen und wahren Weisheit ausgibt. Aber auch diese Deutung fiihrt nicht zum Ziele, es sei denn, daß man sich zu Textverschiebungen und Annahme von Jnterpolationerj versteht. Bickel') will gar den Buchbinder der alten Handschrift fiir den Wirrwarr des Textes verantwortlich machen, der durch ein Versehen die richtige Ordnung der H^ftblütter verschoben hat. Wenn man auch die Möglichkeit eines solchen Irrtums zugtben wird, so bietet doch die von ihm vorgeschtagene neue Gruppierung so klaffende Lücfeu in der Disposition, daß man bei aller Bewunderung des Scharfsinns in der Neuplacierjung der einzelnen Stücke dennoch den Versuch für das klare Verständnis der ganzen! Schrift als nicht förderlich wird bezeichnen müssen. Siegfrieds meint, Kohelet jvolle die jüdische Weisheitrichtung befehden, die zum religiösen Nihilismus führe. Später — in seinem Kommentar7) — hält er den Grundstock des Koheletbnches für das D^erk eines saddncäischen Pessimisten, an dessen Schrift ein epikuräischer Glossator sich mänche Zusätze ertaubte. Pharisäische und chassidäische Leser Härten dann die Schrift milj den Ausführungen interpoliert, die eine Aufnahme des so mit Floskeln verbrämten Huches in den Canon ermöglichten. So ist der Knoten von Widerspüchen, die das Kohel^tbuch bietet, nicht gelöst, sondern durchhauen. Dem gegenüber halten wir es immer hoch nicht für genügend plausibel gemacht, wie die Pharisäer bei der Aufnahnre in j den Canon, die zugestandenermaßen in einer Zeit schärfster Parteispannung stattfa^d, diese heterodoxe Stimmung des Kohelet übersehen konnten. Der Name Salpmos als Autor und die paar chassidisch-pharisäische Iahrb für j§d. Gesck. nüd Litt. 1.898 3> ecclesiastes. London 1874 4) Bibellexicon s. v. Daseins, Innsbruck 1884 *) Z. f.!w. Th. 187b 2 74. -) tu Nowacks Bibelkommentar. 5) der Prediger oder über den Wert des 289. 7) 2. 10 ff.

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