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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 223

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 223 (sequence 9)
Language
German
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223 seine Mission verloren und daß welches nur temporäre Bedeutung Als zweiter Gedanke tritt ui Das neue Testament tritt mit dem Gedanken auf, daß das Gesetz seine Bedeutung, der Tod Jesu auch den Tod des Gesetzes bedeute, hatte. üs der entgegen^ daß Jesu von Nazareth der Messias sei und drittens ist durch die Letzte von der Menschwerdung Gottes das neue Testament von dein reinen Monotheismus abgefatten und behauptet doch trotzdem eine höhere Lehre von Gott und Sittlichkeit in die Welt gebracht zu haben. Die liberalen Juden können zum neuen Testamente nur die Stellung einnehmen, daß sie dasselbe rein historisch aber nicht dogmatisch betrachten. Jesu hat darin, wenn auch seine Stellung zum Gesetz noch immer ein streitiger Punkt ist, dadurch, daß er mit den rabbinischeu Auslegungen des Gesetzes nicht übereinstimmt, klar gesehen und richtig gehandelt und soweit der Pentateuch in F 'age kam, hat Jesu gewiß im Geiste der Propheten den Sittengesetzen die größte Be!Deutung beigelegt und dem Ritualgesetze nur einen untergeordneten Wert zuerkannt. Soweit Jesu in diesem Geiste wirkte, haben wir geistige Berührungspunkte mit fei ier Person. Wenn auch Jesus sich für den Messias gehalten, so hat er damit nicht aufgehört, ein großer Lehrer der Religion und Moral zu sein. Die Idee, daß das alte Testament einen Gott der Gerechtigkeit und das neue Testament einen Gott der Liebe lehrte, hingegen ist kindisch und absurd und muß mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. M. schreibt: Ich persönlich möchte so weit gehen zu sagen, daß unsere Auffassung vom Charakter der Sünde und unsere Pflicht dem Sünder gegenüber an seelischer Tiefe und Größe nur gewinnen kann. Ebenso dürfen und können wir die gewaltige Bedeutung des neuen Testaments in der Weltgeschichte nicht außer Acht lasse». Jeder, der das neue Testament gelesen hat, muß zugestehen, daß es ein geniales ZHerk ist. Es würde ein sehr bedauerliches und trauriges neben vielem Bösem soviel Gutes geschaffen und daß martigsten Menschen, Gläubigen wie Ungläubigen, für ten worden ist, nichts enthalten sollte, was neu und wahr wäre. Aber trotzdem können wir uns nicht an eine bestimmte Ansicht über Jesu binden, der, wie wir einsehen, wohl ein inspirierter und großer Lehrer gewesen, dessen Zeichen sein, wenn ein Buch, dazu allen Zeiten von den verschie, das schönste religiöse Werk geh wirkliche Gedanken und Lehren uns aber nie völlig klar werden können. Das alte Testament bleibt nach wie vor d^s Wahrzeichen des Judentums, aber liberale Juden sollten das neue Testament lesen und es sich zur Pflicht und Aufgabe machen, es ohne Borurteil und Leidenschaft beurteilen und schätzen zu lernen. Was wir an ihm bewundern und billigen, kann uns in unsere n Judentum nicht beeinträchtigen oder wankend machen, denn das, was wir bewundern und billigen, ist in sich selbst jüdisch; es ist eine Vervollständigung und Vertiefung üdischer Lehre und jüdischer Wahrheit. Montefiore kommt nun am Schluffe seines Buches zur Beantwortung der Frage: Welches ist die religiöse Bedeutung der Juden i i unserer Zeit? Können wir noch von einer jüdischen Mission reden? Maimonides hat schon den wahren Gedanken ausgesprochen, daß die

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