Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Was nützt es aber, wenn beim Gottesdienste Fremde spräche hält M. aber nicht die Juden aus Unkenntnis des Hebräischen zu Hause sogar sind. Diese seine freisinnige Anschauung über die Gebetsab, die Wichtigkeit des hebräischen Unterrichtes für die Jugend hervorzuheben. Die Feste, die vereint begangen werden, sind ein gemeinsames Bindemittel. Bei dem Pesachfeste, ist es unwesentlich, ob wir die Sitte während der sieben Tage, nur ungesäuertes Brod zu essen, hatten oder nicht. Hierzu wäre hervorzuheben geeignet, daß der Sederabend, dieser eminent historische Familien-Abend-Gottesdienst, wieder zu seiner alten Geltung gelangen sollte. Freilich müßte hierzu eine ganz neue Liturgie geschaffen werden und sind alle dahingehenden Einzelversuche bis jetzt als verfehlt anzusehen. Was .nun das Wochenfest anlangt, so können die liberalen Juden, hinsichtlich der zehn Gebote, die Auffassung ihrer orthodoxen Brüder nicht teilen. Letztere glauben an die wörtliche Wahrheit des neunzehnten Kapitels von Exodus. Sie glauben, daß Gott selbst die zehn Gebote verkündet hat. Wir könnten, meint M., an keine göttliche und wunderbare Stimme, noch weniger an die Gottes selbst glauben, die sich hörbar verkündet haben soll. Aber schon die Bedeutung der zehn Gebote liegt ja in ihnen selbst und nicht in der Art ihres Ursprunges und deshalb können auch Liberale so gut wie Orthodoxe an dem Fest der zehn Gebote teilnehmen. Als Neujahr hat für uns der erste Januar Bedeutung. Der Tag der Erinnerung ist uns nur der Anfang einer Bußzeit, die zehn Tage spater im Versöhnungstag ihren Höhepunkt und ihren Abschluß findet, der erst seit der Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil besteht. Er gehört, wie auch der Tag der Erinnerung, ausschließlich der dritten und spätesten Gesetzessammlung, dem Pentateuch an. Der Versöhnungstag ist wünschenswert für jede menschliche Seele und hat sich als heiliger Tag für die Liberalen und Orthodoxen gleich bewährt. Im zehmen Kapitel wird die Stellung des liberalen Judentums zum Neuen Testament behandelt. Ein schwieriger Gegenstand wahrlich, der unseres Wissens mit dieser Offenheit noch nicht behandelt wurde. M. wirft die Frage auf: Wie denken wir liberale Juden über dies berühmte Buch Neue in ihm schlecht uno Die jüdischen Schriftsteller gehen solchen Fragen gewöhnlich aus dem Wege oder behaudeln dieselben einseitig unb subjektiv. Nach der Auffassung des liberalen Judentums Ist es gut unwahr und und schlecht, wahr und unwahr? Ist das das Gute und Wahre in ihm nicht neu? Oaß vollendete religiöse und sittliche Wahrheit in keinem Buche enthalten sei, und daß auch das alte Testament das große Verdienst auf dem Gebiete der Weltverbefferung aufweist, viele aber nicht alle Wahrheit entfalte, findet man auch vom richtigen Gesichtspunkt aus betrachtet, im neuen Testamente, das von Juden verfaßt ist, einige neue religiöse und sittliche Wahrheiten, die den Wahrheiten des alten Testamentes als Ergänzung dienen können. Wenn wir das reue Testament auf seine vom alten Testamente unterscheidende Grundgedanken prüfen so zeigen sich uns drei Momente von besonderer Wichtigkeit.