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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 220

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 220 (sequence 6)
Language
German
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— 220 Verschiedenheit des Standpunktes, den wir dem Pentateuche gegenüber einnehmen, hervor. Die liberalen Juden teilen nicht die Anschauung, daß Gott dem Mose das ganze Gesetzbuch, wie wir es noch heute besitzen, übergeben habe. „Offiziell" aber wird zum Unheil des Judentums, das dadurch in seiner Entwicklung gehemmt ist, bis heute an diesem Glauben im Judentum festgehalten, obgleich nur wenige unter den Gebildeten die Ansicht noch vertreten können, daß sogar außer dem Pentateuche. Gott dem Mose noch eine weitere Anzahl mündlicher Satzungen gab. welche ungeschriebenen Gebote den Ursprung zu einem zweiten, dem mündlichen Gesetze gegeben und so eigentlich^zwei göttliche Gesetze auf uns überliefert sind. Das orthodoxe Judentum hält sich heute noch für verpflichtet alle diese Verordnungen zu befolgen und es gibt Tausende — wir meinen sogar die Mehrzahl der Juden — für die in rituellen Fragen biblische und talmudische Satzungen ein unzertrennliches Ganzes bilden und welche die Abschaffung der einen wie der anderen als das Judentum in gleichem Maße zersetzend erachten würden. Das liberale Judentum nimmt zum Gesetz eine ganz andere Stellung ein wie die Orthodoxie und darum die große Kluft zwischen Beiden. Beispielsweise mißt das liberale Judentum den Speisegesetzen entweder keinen göttlichen Ursprung zu oder keinen dauernden religiösen Wert bei. Das liberale Judentun^at äufgehört eine legale Religion zu sein, es glaubt nicht an ein vollendetes von Gott gegebenes Gesetzbuch, dessen Bestimmungen auf das genaueste zu erfüllen sind. Das orthodoxe Judentum hingegen hält an diesen Glaubensdogmen fest. Die Propheten des achten und siebenten Jahrhunderts v. Ehr. lehrten ein Judentum, welches völlig unabhängig vom Gesetze war. War Mose der Begründer des Judentums,den wir nur wie in ein^m Schleier zu erkennen vermögen, so waren Propheten wie weisen Meister, die ihn: neue Bahnen eröffneten. Das Gesetz zusammen aus den Entscheidungen der Priester, die die des. Volkes waren. Die erste Gesetzessammlung war nicht fünfte L9üch Möses und von diesem nur der Kern. Das Ämos,Hosea nnd Jesaia seine wuchs erst ,allmählig ^spater frühesten Lehrer und Richter dex Pentateuch, - sondern das fünfte Buch war. das Produ kt einer Verständigung zwischen Priestern und Propheten und ist ungefähr 621 p. Ehr! entstanden. Während des Babylonischen Exils lvjlrden /Neue Satzungen' zusammerrgeisagen. Diese Gesetzessammlungen gingers mehr von tzriesterlichen Gesichtspunkten aus und diejenige, die Esra etwa 444. y. Chr. Israel gegeben, war das Produkt von mindestens zwei dieser priesterlichen.Gesetzessammlungen, wodurch . das Nomistische die Führungübernahm. . Die" neue Gesetzgebung wurde mit der alten zusammengeschweißt und ungefähr lOO^Jahre nach Esras Tod tritt der Pentateuch als Ganzes, wie wir ihn heute Kennen, erst in. den Vordergrund. - , . So bestimmte das Gesetz für Jahrhunderte den Charakter des Judentums, der nach der Erhebung der Makkabäer nie ernsthaft in Fxage gestellt wurde. Die Gesetzeslehrer studierten und legren iifrmer von Neuem aus, so daß Vorschriften und Gebote Legion . ''wurden. Das Gesetz wurde! aufgefaßt als eine Auszeichnung, als ein Wahrzeichen für die Auserwähltheit Israels.

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