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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 219 (sequence 5)
Language
German
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219 zwischen dem Juden und seinem Gotte keinerlei Vertrautheit und Liebe bestehe, und daß der Jude seinen Gott nur als Herrn unb König, nicht ab^r als Vater verehre. Das liberale Judentum, meint Montefiore, soll sich derartiger! Praktiken, wie dies christliche Theologen zu tun pflegen, nicht bedienen, die, um dem! Lichte einen reineren Glanz zu verleihen, ihm einen Schatten als Folie beizugeben versuchen, sondern es soll inl Gegenteile das Gute und Wahre des Neuen Testamentes in sich aufnehmen und darin nicht manchen orthodoxen Lehrern des Judentums folgen, d^e von den Evangelien sagen, daß das Neue in ihnen nicht wahr und das Wahre in ihüen nicht neu sei, und daß das Studium derselben wederin religiöser noch in geistiger Beziehung von Nutzen sein könne. Es ist und bleibt das rühmlichste Verdienst der hebrtzischen Propheten als den vornehmsten Gottesdienst, ein Leben voll hilfreicher und edler jLiebeswerke bezeichnet zu haben, ein Leben voll Aufopferung und Wahrhaftigkeit. Ein^n einzigen Gott über sich zu haben und ihn zu verehren durch Werke der Mildtätigkeit, Gerechtigkeit und Liebe, das war und ist und bleibt der Kern, bas Wesen des Judentums. Werden in beit ersten Kapiteln des Buches mehr retigionsphitosophische Gedanken, wie sie in ihrer Gegensätzlichkeit im Judentum und Christentum auftreten, hervorgshoben und beleuchtet, so ergeht sich Montefiore in den zwei folgenden Kapiteln, dem fünften und sechsten, über das Gesetz und kommen dadurch seine Anschauungen auch über aktuelle Fragen im Judentum, der Gegenwart zur lichtvollen Behandlung. Hier in diesen Auslassungen kommt der tief eingreifende Unterschied zwischen dem altgläubigen und dem liberalen Judentum zu klarem unzweideutigem Ausdruck. Wir lassen den Verfasser zunächst selbst sprechen: Die alte jüdische Ähre besagt, daß jedes Wort in der hebräischen Bibel wahr sei, daß die „Wunder" wirklich geschehen sind und daß jene, die alles ausgezeichnet haben, besonders Moses als Verfasser des Pentateuch göttlich und übernatürlich inspiriert waren. Das liberale Judentum erkennt keinen der Glaubenssätze an: „Daß jedes Wort der Propheten wahr sei,"!„daß die Prophezeiung Moses wahr und daß er der größte aller Propheten gewesen sei unter allen, die vor ihm waren und unter allen, die nach ihm sein werden," „daß die gfinze Gesetzessammlung, wie wir sie heute im Pentateuche besitzen, die gleiche ist, die wirj seinerzeit von Moses erhalten haben," „daß das Gesetz ewig und unveränderlich sein wird." Das liberale Judentum vertritt vielmehr die Ansicht und hat die Auffassung, daß gewisse Modifikation des Gesetzes, als von, der Vernunft hnd somit vom Millen Gottes geboten erscheinen. Die Auffassung, die wir heute von Inspiration haben, erlaubt uns nicht mehr zu sagen: „Dieses spezielle Buch ist inspiriert und kein anderes neben ihm," „diese Menschen sind inspiriert und niemand außer ihnen." Montefiore schreibt: Nach meinem persönlichen Gefühl kann das liberale Judentum nicht mehr den Standpunkt vertreten, daß das Neue im Neuen Testamente nicht wahr und das Wahre in ihm nicht neu sein könne und daß Jesus von Nazareth nichtj inspiriert gewesen sei. Die alte und neue Auffassung über die Bedeutung des'Gesetzes geht aus der

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