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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-10-01 · Heft 10 (1.10.1906) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 10 (1.10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 218 (sequence 4)
Language
German
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Gebetbüchern enthaltenen sogenannten dreizehn Glaubensartikel des Maimonides zu sprechen, von denen er eingef eht an einige nicht glauben zu können. M schreibt als freireligiöser Jude. hält sich aber nach seinem eigenen Gefühle denkt und für einen vollwertigen Juden und seine Ausführungen für Judentum, was wir auch vollauf anerkennen und für richtig halten. Wir können ihm in seinen ausgesprochenen Gedanken schon darum aus vollem Herzm beipflichten, weil er in seinen Darlegungen mit dem modernen Jndentume vollständig im Einklänge sich befindet, das im vorigen Jahrhundert die hervorragendsten Männer der Wissenschaft in unserer Mitte zu seinen Anhängern weil zu seinen Begründern hatte, die die althergebrachte Anschauungen aufgegeben haben und Bahnbrecher auf dem Wege einer neuen Entwicklung des Judentums gewesen. Die^ Hoffnung ist durum auch berechtigt, daß es der Zukunft Vorbehalten bleiben wird, die Überzeugung einer noch größeren Anzahl von Bekennern des Judentums für die Reformbewegung zu gewinnen. Die Kapitel 2 bis 5 handeln von deur Wesen Gottes und von seinem Verhalten zum Menschen. In demselben nimmt Montefiore Stellung zur Vergangenheit des Judentums. Ohne hier dem Verfasser in seinen religi msphilosophischen Ausführungen, die selbstverständlich mehr abstrakter Natur sind, zu folgen, und die in dem Satz gipfeln: Gott kann niemals Mensch werden und der Mensch niemals Gott, sei besonders hervorgehoben, daß fest der Zeit der Entstehung des Christentums der jüdische Begriff des einzigen Gottes eine neue Bedeutung im Gegensätze zu de l Dogmen der Jnearnation und der Dreieinigkeit erhielt. Die Juden hegten im Gegensa ze zu der Auffassung des Christentums die Überzeugung, daß niemand sich Gott so nc.he fühlen kann, wie derjenige der keines vermittlenden Gliedes zwischen sich und ihm bedarf. Gott ist uns so nahe, daß er keines Sohnes bedarf, um uns ihm näher zu bringen, keines Vermittlers, um sich mit uns auszusöhnen. Glauben wir auch nicht an das, was der dreizehnte Glaubensartikel die Auferstehung der Toten nennt, so glauben vir umso tiefer, daß das irdische Leben eine Fortsetzung findet, freilich mit Wegfall d:s Gedankens an eine „ewige" Strafe, da dieselbe vielmehr nur den Zweck haben joll, läuternd, veredlend, erziehend zu wirken. Es bleibt uns überhaupt verborgen, wie Gott die Werke der Menschen beurteilt, pa vor ihm tausend Fäden im menschlichen Charakter offenliegen, die wir nicht sehen und nicht kennen. Wir sind darum auch weit entfernt irgend einem Dogma das Atribut „seligmacheud" in besonderem Maße zuschreiben zu können. Montefiore kommt auch darauf zu sprechen, daß man in gewissen Kreisen annehme, der Christ teile sich sesnem Gotte mit, während der Jude ihm diene, ersterer ihn liebe, während letzterer ihn fürchte, wodurch das Christentum als höhere Stufe der Entwicklung gegenüber dem Judentum gestellt werden soll. Montefiore schreibt hierzu: Wahrscheinlich ist es richtig, daß niemals jemand reiner und inniger dü Vaterschaft Gottes empfunden hat, denn Jesus, und daß diese Lehre nirgends in so einfachen und so schönen Worten ausgesprochen worden ist, als in den synoptischen Evangelien. Eine Unwahrheit aber ist es, zu behaupten, daß

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