Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 204 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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nimmer auf die fast wahnsinnig anmutende Idee verfallen sein, einen Heinrich Heine von heute zu morgen in Weimar'scher Tinte ersäufen zu wollen. So aber sah der Kunstwart-Draufgänger sein und seiner Leute Unterminierungs-Spiel eines Tages unrettbar verloren, und da gabs eben für diesen allzudeutschen Stürmer und Dränger nur noch ein Mittel, wider Heinrich Heine loszulegen: Eselstritte mußten verabreicht werden, alte tüchtige Eselstritte! ' Die beschämenste Verurteilung des Bartelschen Machwerks scheint übrigens darin gegeben zu sein, daß bisher keiner unserer bedeutenden Literarhystoriker von diesem (noch dazu im übelsten Deutsch gehalterten, von Schnitzern wimmelnden) Anti-Heine kritische Kenntnis genommen hat. Man schweigt sich aus über das Opus, verurteilt es höchstens, wenn man so unter sich ist, in unzweideutiger Weise. Nur einem Dresdener halboffiziösem Regierungsblatt blieb es voc einigen Wochen Vorbehalten, für des Herrn Bartels Schmähschrift ein (freilich recht vcrsichtig balanziertes) Länzlein einznlegen. Sollte diese Lobesspende aber nicht am Ende arrch auf einen Krrnstwartianer znrückzuführen sein, nämlich auf Herrn Bros. Dr. Paul Schumann, dessen frühere Beziehungen zu Avenarins in gewissen Dresdener Kreisen noch heute unvergessen sind? So schließt' sich also Glied an Glied. Aber, es will diesmal doch nicht recht klappen. Will keinen Vollklang geben. Der gute Bartels in Weimar hieb eben jetzt und allzu bodenlos unvorsichtig in die Kerben. Da rück man lieber hübsch vorsichtig ein Stückchen von ihm ab, als daß man mit dem sonst so wackeren Kämpen auch dann durch dick itub dünn marschieren möchte, wenn sich dieser eine der blamabelsten literarischen Niederlagen von der Welt holte. Zur Sache selber findet sic) in Bartels Buch „Heinrich Heine" aber auch nicht ein einziger Gedanke von unzweifelhafter Nen-Pragnng. Daß Heine Jude war, wissen wir. Ebenso ist es uns nicht unbekannt, daß jemand, der als Jude geboren wurde, gewisse typische Eigenschaften seiner Rasse auch dann nicht völlig anfgibt, wenn etwas Taufwasser über seine Stirn perlte. Was wir aber im Laufe mancher Jahre ebenso gut in Erfahrung brachten, besteht darin: daß es ein Verbrechen sondergleichen an der ganzen Menschheitskultur bedeutet, wenn man über jemand lediglich deshalb den Stab zu brechen wagt, weil er als Jude das Licht der Welt erblickte. Wahrhaftigen Gott, wäre Heinrich Heine von christlichen Eltern geboren, war er außerdem von rein arischer Abstammung gewesen, und hätte zuwege brachte; es gebe längst in zu dem Dichter knüpfen lassen, ein Heines zersetzendem Witz lediglich was gewisse Leute heute bei Hei anderen Verhältnissen ganz gewiß auch in diesem Fall das alt-gediec Damit sollen für uns die er als solcher das gleiche geleistet, was er als Jnde jeder größeren deutschen Stadt, in der sich Beziehungen Heine-Denkmal; es fiele keinem Menschen ein, hinter israelitische Grundwesenheit zu wittern. Nein, das, wich Heine „rein jüdisch" nennen, würde man unter als „echt deutsche Prügel" bezeichnen. Es gilt just ene Wort: Ja, Bauer, das ist ganz was anderes. Akten über das Bartelsche Buch ein für allemal ge-