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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-09-01 · Heft 9 (1.9.1906) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 9 (1.9.1906)
Date
1906-09-01
Page
Seite 203 (sequence 13)
Language
German
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203 anderer antisemitischer Krastnieier!— vielmehr liebt es Bartels, den Dichter Heine beinahe in allen Poesien mehr oder niinder verschlafen des geistigen Diebstahls zn berichtigen, diese Anklage aber in Einern breiten Wortschwall vorznbringen, der einen harmlosen Leser nur allzuleicht im ßinue des Schmähers beeinflußt. Weiterhin wirkt diese sinnige Bartels'sche Verdächtiguygs-Manier um so liebreizender, um so heldenhafter deutsch, als sie gegen einen Toten gerichtet ist, gegen jemand, der sich nicht einmal zu ve leidigen, geschweige denn seinein Gegner als das zu charakterisieren vermag, was dieser Herr Adolf Bartels aus Weimar einzig und allein ist: ein gewerbsmäßiger Schänder echten Dichterruhms. Dieser Begriff der „Gewerbsjmäßigkeit" sei nach zwei Richtungen hin besonders erläutert. Einmal: das Buch selber und die ganze Art seiner renochmistischen .Breit-, spnrigkeit, mit der es auf dem Büchermarkt Posto zu fassen suchte un!d noch heute sucht. Wahrlich der erste beste galizische Schnorrer, der mühsam aus nichts empor kraxelte, kann seinen Ramsch nicht lauter undj aufdringlicher anbieten, als das der Herr Professor Bartels in Bnchhändterzirkularen, Bor- und Nachworten, Begleitschreiben 51t seinen famosen Anti-Heine fertig brachte, sy es diesem Buche bloß einen ollen ehrlichen Rebbach zu sichern galt. Gewiß, Herr Dr. Kjerr mit seinen spielerisch-emphatischen Heine-Aufruf neulich verdiente eine tüchtige Abfuhr: Herr Bartels aber baut lediglich auf Kerrschem Grund und Boden, wenn er sein zynisches Buch mit einer „Denkmals-Inschrift" beschließt, die jeden Heine-Verehrer ebenso empören muß, wie Kerrs pittoreske Heine- Vergötterung keinem gesund Empfindenden auch nur halbwegs Getzuß bereiten wird. So nun Herr Bartels in diesem Faste selber unter einem Glasdach sitzt, hat er keinerlei Grund nach dein Herrn Doktor Kerjr aus Berlin-W. oder auch nur nach dessen hypermoderner Weste mit urgermanischen Stinkbömbchen zu lverfen. Noch weit widerlicher gibt sich der Herr Professor Bartels in seiner gewerbsmäßigen Heine-Schändung dann, wenn er sichi selber oder gar seinen Brotgeber Ferdinand Avenarius, den Herallsgeber des!„Kunstwart", als poetischen Schwurzeugen wider Heinrich Heine in die Schranken zitiert. Was weiß die große Welt vom Lyriker Adolf' Bartels, was weiß sie vom Poetjrn Ferdinand Avenarius? Nicht eben viel, oder höchstens das eine, daß Herr Avenarius in einer von ihm selber herausgegebenen Anthologie „Deutsche Lyrik Äer Gegenwart" mit ein paar äußerst klapprigen Versen vertreten ist. Und so charakterisiert sich denn Adolf Bartels in seinem dickbäuchigen Pamphlet „Heinrich Heine" als ein enragierter Schrittmacher des „Kunstwart". Das ist des Pudels ganzer Kern. Hätten die Herren von und um Avenarius im Laufe eines Dezenniums das Kunststück fertig gebracht, den Dichter Heinrich Heine dem deutschen Volke grundsätzlich und bis auf den letzten Blutstropfen zu verekeln, wäre es diesen Herrschaften geglückt, Heines Denkmal im Herzen der Deutschen endlich für alle Zeiten in die £aft zu sprengen, an dessen Stelle aber eine ganze Kunstwart-Siegesallee von zweifelhaften Zwerg- und Puppknpoeten zu stellen: dann dürfte Herr Bartels

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