Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
- Job 1× ep/1005326
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201 Darum singt das Lied des Frommen: „Heil dem Manne, den der Ewige züchtigt und in seine Lehre nimmt."') Das Leid ist so der Schmelztiegel, in dem der Charakter des frommen sich als lauteres Gold! erprobt. So betet der Gerechte: „Du prüfest uns Gott und läuterst uns, wie mast Silber läutert."-) Harte Schicksale haben von jeher die Heroen des Geistes stark gemacht. Erst das Leid der Verbannung drückte den Weihekuß auf Dantes edle Dichterstifne, und die schmerzensreiche Vereinsamung des Erbliudens öffnete einem Homer und Ptilton das Seelenauge für das Zauberland Poesie. So luirfc) die Heimsuchung zürn Heit< nach dem Toraworte: „Er prüft dich, dir wohlzntlm an deinem Ende."-') Schön hat diesen Gedanken ein neuerer Dichter, Melchior Meyr, ausgesprochen: l „Mit Sehnsucht wünschest du das Glück herbei ' Und zürnest, daß! es nicht gekommen sei. Gibt's etwas Schöneres als Männlichkeit Mit Ungemach ustd Not in edlem Streit. . . . Drum nutz dein Leid und preise Gott dazu! Wär es nicht dcy drum bitten müßtest du! Alle diese Töne werden bereits in den Elihureden des Hioisbuches angestimmt. 9(111eine Klangfarbe vermissen wir, in seinen reichen Harmonieen, eine Vorstellung, oder besser eine Gruppe von Ideen,; die \vx\ min näher beleuchten, — die Theodieeegebauten, die sich um den Typus deß leidenden Gottesknechtes krystallisierten. Diesen ganzen Kreis von neuen und tiefen!Deutungsweisen, des Leides hat der Dichter des Hiobdramas nicht gekannt, und daraus ließe sich wohl mit Recht der Schluß ziehen, daß unser Hiobbuch vor der Zeit verfaßt wurde, in dex die Predigten vom duldenden Diener des Ewigen gehalten wurden, mögen diese Reden nun, wie die Einen annehmen, im babylonischen Exil entstanden sein, oder, wie die Andern wollen, aus der Feder eines Tritojesaias stammen, dessen Wirken in die Perserzeit führt. (Forts, folgt.) (Bewerbsmäfc Als im Februar dieses Jahres ge ZHcbUrfdrändiiity. gerade fünfzig Jahre seit jenem Tage verstreichen wollten, an dem Heinrich Hein^ in ÜJorte von seinem ebenso langwierigen wie unheimlichen Leiden erlöst wurde, fjomtte jeder, der in unserer materiell-unruhigen Zeit für literarische Dinge noch einiges Interesse zu erübrigen weiß, ein eigentümliches Kampfschanspiel von überaus seltener Heftigkeit beobachten: den Streit um Heines Größe, um dessen Bedeutung als deutscher! Poet und Schriftsteller. War dieses komplizierte Für und Wider eigentlich nie im Heerbann unserer Dichter, Denker und Kritiker erloschen, seitdem überhaupt mit dem jtfetnten Heinrich Heine ein zum mindesten fesselnder ') <f 12 v,p. Tbr.l, 24ff. über den .veilswert jtillgetragenen Leides. -) 66, 10 dazu rgl. Sen. de prov, 5. S ignis u-atumprobaL, misericordia viros furtes. 3) Deut. 8, 16.