Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 199 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2970002-2970011--8060-2978761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
199 vor uns Elisas, der Würdige und Weise, Bildad,' der Besonnene und doch Beschränkte, Zophar, der Fanatiker voll Glut und Leidenschaft, Elihu, der gemütinnige, seherhaft begeisterte, junge Schwärmer. Und als Seele des ganzen eine Idee, an deren Herausarbeitung jede Person an ihrem Teil positiv oder negativ mitwirkt. Was Wunder, daß Denker m d Dichter diesem Werke huldigen, daß tiefe Forscher und schlichte Leser in seiner Verherrlichung sich einen. Franz Delitzsch sagt'). Alles Großartige und Erhabene, was Natur und Menschenwelt bietet, findet sich hier in einer großen Runde aneinandergereiht. Der Inhalt ist nächtlich und doch strahlt alles von Herrlichkeit. Shakespeare und Goethe haben sich mx dieser Fundgrube bereichert, Baco und Bernlam sind ergriffen von seiner Tiefe. Kant sieht darin einen ewigen Warnungsspiegel aller heuchlerischen Theodicec - Spekulationen und Fr. H. Jakoby ruft begeistert aus: Sei es Geschichte, sei es Dichtung, der so dichtete, war ein Seher Gottes. VIII. Die Theodicee im Lichte der Predigt vom leidenden Gottesknecht. Wie im „Faust" sich das Selbstbewußtsein der neuzeitlichen Kulturmenschheit wiederspiegelt, so sind im „Hiob" alle Strahlen der religiösen Gedankenwelt einer vergangenen Zeit wie in einen Brennpunkt gesammelt. Unser historisch geschärfter Blick sehnt sich darnach, diese Epoche, in deren religiöses Ringen das Buch einführt, und die geschichtlichen Verhältnisse, wie die persönlichen Schicksale, die möglicherweise auf seine Entstehung eingewirkt haben, genauer fixieren. Man hat redlich versucht, in den Worten des Dichters Anhaltspunkte für die als litterarische Vorfragen zunächst Erledigung dieser Momente zw.^finden, die sonst beantwortet zu werden pflegen. Doch was darüber in Einleitungen und Erklärungen gesagt ist, geht wirklich nicht über vage Vermutung. Sollten wir den alten Hypothesen mne neue hinzufügen? Es wäre nicht schwer, denn das Hiobgedicht bietet keine irgendwie exaktere Hinweise und aus dem ganz allgemein gehaltenen Milieu lassen sich für Stützen aufweisen. Grotius mag recht haben, bietet, ein wirkliches Erlebnis als es einer jener verfolgten Hiobsliedern uns entgegentönt? jede Phase von Mose*» bis Efra') vermeintliche vaß unser Buch res vere gesta sed pretice traclata Spiegel ewiger Wahrheiten. War der Dichter selbst von Aussatz befallen „ein armer H ünrich", der in schmerzensreicher Weltabgeschiedenheit den Gründen und den Zwecken seines tragischen Geschickes nachgesonnen, war es ein verzweifelter Israelit4) des Nordreichs, den die Vernichtung seiner Volksherrlichkeit und die über seine Nation hereinbrausende Leidensflut die ernste Mosesfrage5) an die Seele band: Warum muß gerade das erwählte Volk des Leides Lasten tragen? War Propheten unter Manasse, dessen Schwanengesang in den L der dürfen wir in jenem Urias, dessen Martyrologium in Ägypten das Jeremiasbuch") aujbewahrt hat, den Verfasser unserer Schrift erblicken? ') Herzogs Redencyklop s. v. H ob. 2) vgl. Tlmd. B. B 15. 3) z. B W. Warbnton, Zuuz, Batke u. a. 4) vgl. Reuß, Hio) S. 17. ') Ex. 5. 22. 6) c. 26.