Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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197 die gegen die Echtheit geltend gemacht werden, scheinen mir nicht zwingend. Ich fühle nicht, daß die Worte Elihus den Zusammenhang störend unterbrechen, auch die Anklänge an Psalterstellen finden sich sonst im Hiobsbuche und sind keine besondere Eigenart der Elihureden. Das äußere Argument,! daß weder Prolog noch Epilog von dem Vorhandensein dieser Person Kenntnis ztz haben scheinen, wiegt schon schwerer. So hält auch eine der neuesten Erklärungen besonders mit Hinweis auf diese äußere auffallende Erscheinungen die Elihuepisode für jem Anhängsel eines jungen Zeloten."*) Doch auch dies Bedenken könnjen wir bei genauerer Prüfung nicht für durchschlagend halten. Ist es nicht denkbsir, daß der Dichter die Elihugestalt erst bei der Arbeit konzipiert hat und nachher übersah, sie auch in dem früher verfaßten Prolog und Epilog nachträglich einzutragen.! Die Faustphilologie hat uns tief in das schichtenweise Werden einer Dichtung eingesishrt, wer will bestreiten, daß eine Riesendichtung wie Hjöb nicht auch das Lebensweg eines Dichters war, das mit ihm wuchs und reifte, dessen erste Keime der Jüngling empfing und dessen letzte Feile der Greis führte. Wir können auf eine Analogs Hinweisen, die uns belehrt, daß aus dergleichen äußeren Momenten keine zwingende Schlüsse zu ziehen sind. In Hermann und Dorothea findet sich ein klaffender Widerspruch. Hermann wird dort an einer Stelle als neunzehnjährig angegeben und an eiüer anderen Stelle jammert die Mutter, daß er noch keine Frau hat. Hier ist er zweifellos nicht als Neunzehnjähriger, sonder als weit älter gedacht?) Wenn nun einem unter den denkbar günstigsten Umständen in voller Dichterreife vollendete Werke solche Kleine Mängel und Jrrtümer anhaften, wenn dieses Versehen bei Herstellung neuer Auflagen, die unter des Dichters Augen erfolgten, stehen blieb, sollte uns das nicht zus Vorsicht mahnen. Unsere Philologie würde bei einer biblischen Dichtung zweifellos dekretiert haben; die Klage der Mutter, Hermann entbehre nur der Gattin, sei interpoliert, darum bleiben wir auch bei der Bibelexagese der Forderung der rechten Ehrfurchf vor dem Geheimnis des dichterischen Schaffens eingedenk. „Ein neunzehnjähriger Hermann zerstört, ernsthaft genommen, unfehlbar das ganze Gedicht und doch steht er da, schwarz auf weiß, unanfechtbar, aber niemand nimmt den Dichter beim Wortes) Bisher ist kein, wirklich stichhaltiger Grund für die UnechthAt der Elihureden beigebracht worden. Der Architektonik des Buches fügt sich die Partie recht gut ein. Etihu, der neuen Lehre begeisterter Träger, bereitet uns für die das Buch krönenden Gottesreden trefflich vor. Er erhöht die Spannung und bildet das nötige retardierende Moment, ehe der Knoten gelöst wird. Zudem liegt hier eine fein beabsichtigte künstlerisch klug durchdachte Steigerung vor, die man nicht übersehen darf. Elihu sagt Worte, die ganz nahe an die Lösung des Problems streifen, er bringt das neue positive, wesentliche Moment zur Klärung der Sache bei. Warum läßt der Dichter nicht den Ewigen diese Ausführung geben? I Die Ehrfurcht vqr Gott verbot dies. Der All- Friede. Delitzsch, das Buch Hiob S. 95. '') Rümelin Reden I. S. 383. 3) Rümelin, a. a. O.