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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-09-01 · Heft 9 (1.9.1906) · p. Seite 195

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 9 (1.9.1906)
Date
1906-09-01
Page
Seite 195 (sequence 5)
Language
German
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T T — 195 — Ein Motiv bc» schrecklichen Hasses gegen die Juden ist das, daß sie der Welt das Christentum gegeben haben, welches das Tier im Menschen unterdrückt und in ihm das Gewissen erweckt hat, ferner das Gefühl der Liebe zu den Menschen, das Bedürfnis, für das Glück der ganzen Menschheit zu sorgen. Ten Herrschern der Welt gefällt das nicht. Sie hätten iin Christentum lieber eine Religion der Unterwerfung und Leiden geiehen, damit die Menschen sich selbst zu den Füßen der Herrscher werfen. Und es ist ihnen gelungen, ans dem Christentum eine Religion der Knechte zu machen, und einen Schild für den Kampf gegen Nie Gerechtigkeit. Aber im Christentum w^r der große, ideale Geist des jüdischen Volkes, und trotz aller Verfolgungen der Regierungen und der Kirche ist dieser Geist noch bis jetzt nicht vertrieben. Dieser Geist hat! sich nach und nach in den Verstand der Völker einen Platz errungen und ist auch! anfgeblüht in der Philosophie des Spinoza oder in den ntopistischen Phantasien des 'Thomas Moore. Dieser Idealismus, der immer das Streben, die Welt nach neuen Grundsätzen der Gerechtigkeit und Gleichheit zu verändern, gehabt hat, ist das Hanptmosiv, und vielleicht das einzige Motiv des Antisemitismus. Er stört die Ruhe der Sattheit und der Selbstzufriedenheit und wirft einen Strahl weiten des Lebens. Mit Energie und Begeisterung haben Streben nach Wahrheit ins Leben hineingetragen. Sie was die Hauptsache ist, dieser Idealismus hat der Welt t gebracht, den Sozialismus. lie für eine nnerschüttliche; in jeder Epoche waren die die Anhänger des Fortschrittes waren. Ich glaube nicht an hie Feindschaft der Rassen und Rationen. Ich sehe nur einen Kampf, den Kampf der Klassen. Ich glaube nicht an die Existenz der spezifischen Psyche, welche einen natürlichen Haß bei der weißen gegen die schwarze Rasse-, bei den Slawen gegen die Engländer,! bei den Russen gegen die Juden Hervorrust. Mit Hilfe besonderer Verhältnisse des Lebens drückt sich in Rußland jedes Gefühl, ein gutes oder schlechtes, stärker und schärfer ans als überall. Und eben darum bat die jüdische Frage in Rußland eine so schreckliche Form angenommen, daß die ganze Welt ihre besondere Aufmerksamkeit auf sie gelenkt hat. In Rußland ist die jüdische Frage vor allem eine politische. Der Hauptfeind der Juden ist die Regierung, welche jeden Inden als einen Revolutionären betrachtet. Diese Meinung^ findet auch eine Bestätigung in der Geschichte der ^evolutionären Bewegung. Ter Prozentsatz der politischen Verbrecher, wie man sie nenrst, ist bei den Juden sehr groß. In Rußland sind die ^uden auch eher Revolutionäre als überall, weil sie dort in einer unerträglichen Lage j durch die Regierung sich befinden. Die Regierung tut alles, um den Inden physisch zu töten und geistig zu unterdrücken. Aber die wunderbare Lebensfähigkeit dieser Rasse unterwirft sich sogar dem Anstoß dieser Bedrückung - nicht, ihre intellektuellen und geistigen Fähigkeiten gehen nicht zugrunde. des Lichtes auf die finsteren die Inden das unermüdliche haben die Völker geweckt, und eine neue Religion der Masse Ich halte meine Theo Inden gehaßt, weit sie immer

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