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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-09-01 · Heft 9 (1.9.1906) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 9 (1.9.1906)
Date
1906-09-01
Page
Seite 194 (sequence 4)
Language
German
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194 sondern eirren Heldengeist, und Dieser Idealismus widerspricht nicht der materialistischen Erklärung der Geschichte, weither der Schöpfer der materialistischen Lehre ist. Während des ganzen schweren Weges der Menschheit zum Fortschritt und zum Licht ist der Jude, lvie ein lebendiger Protest dagestanden, wie ein Erforscher neuer Wege. Er war der Leuchtturm, von welchem immer stolz und hoch sich entzündet hat der unablässige Protest gegen alles Niedrige im Menschenleben, gegen brutale Akte der Gewalttätigkeit, gegen die abscheuliche Trivilität und gegen die geistige Borniertheit. Wir erinnern nur an den Propheten Jesaia, dessen feurige Worte noch bis jetzt die Menschenseelen entzünden ilnd begeistern. Und diese hohe Stimme der Liebe zur Wahrheit hat den Haß derjenigen erzeugen müssen, die für sich Gebäude aus Lügen und Verleumdungen auf dem Fundamente von Gelvalt und Verbrechen bauen. Erinnern wir uns an die Makkabäer, die furchtlosen Känrpfer ffur die Freiheit Jerusalems; an Bar-Kochba, den Ritter dieser Freiheit! Ohne Hoffnung auf Sieg sind sie im Kampfe für die Freiheit des Volkes gefallen. In niederen und trivialen Seelen rufen solche Heldentaten nur Haß und Schrecken hervor. Der edle, weise Hillel hat der Menschheit die einfachste Antwort auf die Frage hinterlassen, welche Beziehungen wir/zur Welt haben. Er hat gesagt: „Wenn ich. nicht für lnich selber bin, wer denn? Und wenn ich nur für mich selber bin, wer bin ich?" Das ist die beste Lektion für die Moral und zugleich die vollständigste. Der erste Teil dieser Theorie bedeutet: „Mensch! Du bist selber der Schmied deines Lebens; in deinen Händen ist dein Schicksal und deine Glückseligkeit gelegen; verlaß dich nicht auf die anderen und bringe nicht Unglück dem anderen, um deine Glückseligkeit zu vergrößern." Der zweite Teil lehrt uns: „Wenn du alles, was du tust, nur für dich selber tust, dann bedenke, welchen Zinn deine Arbeit hat, welchen Zweck dein ganzes Leben hat. Lebe so, daß dein Herz die ganze Welt umarmen und jeder Ton in der Welt und jedes Lächeln und' j^des Leid eine Antwort finden soll. Nur dann wirst du groß nnd erhaben sein." So eine Art der Moral ist eine direkte Herausforderung, sie ist der egoistischen Psyche der Menschen feindlich,; welche am liebsten herrschen und von der Herrschaft Genüsse haben will. '! . Diese einfache aber tiefe Philosophie hat eine große Wirkung auf den großen Juden Heinrich Heine ausgeübt, dessen Herz in der Tat die ganze Welt umfaßt hat und in welchem, wie in einem reinen Metalle, alle Töne des Menschenleids sich abgespiegelt haben. Sein Stöhnest rief die Menschheit zur Freiheit und trieb sie aus der Überschwemmung des Schmutzes und des Aberglaubens, welche sie zu vernichten drohten. Daß Heine wirklich ein großer Mann war, das kann man schon aus dem Faktum schließen, daß er einen solchen'Haß gegen sich bei den trivialen Seelen hervorgerufen hat, einen Haß, welcher bis jetzt noch nicht verschwunden ist. Es wird vielleicht ein schreckliches Paradoxon scheinen, was ich eben sagen werde.

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