Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Chamberlain mutig zurück. In den Nachträgen zur 4ten Auflage') seines Werkes sah er sich nämlich veranlaßt „im Interesse der Genauigkeit festzustellen, daß die von ihm erwähnte Tatsache nicht Herrn Leroy-Beaulieu und seine Familie betrifft und er bedauere, daß sein Gedächtnisfehter einem redlichen Manne Ärgernis verursacht hat." Noch ein paar solche „Feststellungen im Interesse der Genauigkeit" und der bereits bedenklich dunkel gewordene Schein der Sachlichkeit Herrn Chamberlains erbleicht nun vollends, und die anfangs in hochtrabendem Applomb stolz aufgeführten „Grundlagen" stürzen in sich zusammen, unter sich begrabend alle die schweren Zumutungen, die ihr Erbauer ihnen aufgeladen, aufgebürdet. Darum etwas mehr Gründlichkeit, Herr Chamberlain, dann unseretwegen einige Grundlagen weniger! Und das „Mißtrauen der Hochbegabten"? Du lieber Gott, fast denkt man unwillkürlich an das Mißtrauen der hochbegabten — Leser. Denn es genüge nach dieser Richtung das Urteil eines Mannes, den ich mir deshalb zu zitieren gestalte, weil er nicht etwa aus alter Zeit in die Gegenwart herüberragt, sondern als ein hochbegabter Typus moderner Kultur gegenwärtig lebt und segensreich wirkt.-) Er war es, der gelegentlich der Eröffnung eines Vortrages: „Aus Heinrich Heines Jugendzeit" in einem humanitären Wiener Verein am 6. Nov. v. I. folgende Worte sprach: Es zwingt die Logik mit unbarmherziger Folgerichtigkeit, daß unsere heutige Kultur, Zivilisation, unsere Wissenschafts-und'Bildungshöhe, bei voller Anerkennung und Huldigung für die Berniittelung (durch das Christentum) in allerletzter Instanz auf den siegreichen ersten Bringer des Monotheismus zurückzuführen sei. . . . Ich halte es für eine Pflicht wissenschaftlicher Dankbarkeit, daß das Volk, welches uns durch seine großen Geister , in die Welt des Monotheismus einführte und eine methaphysisch-ethische Litteratur vererbte, die zum Gemeingut aller christlichen Konfessionen wurde, in seinen heutigen Nachkommen mindestens in dem Maße geachtet werde, wie es mit den untergegangenen zwei Kulturvölkern der antiken Welt der Fall ist, die uns'ihren Solon, Sokrates, Plato, Perikles und ihren Cicero, Seneca, Tacitus hinterließen. Immerhin können sich neben diesen Griechen und Römern in eine relativ ebenbürtige Linie stellen: ein Mose, Jesajas, Daniel, Ezechiel, der Verfasser des Buches Hiob, Kohelet u. a. m."*) Unstreitig goldene Worte, deren Beweiskraft Herr Chamberlain umsoweniger bezweifeln können wird, als sie von einem Mann gesprochen wurden, der — ein Priester jener Richtung ist, die in dem Weltreiche besonders zahlreich vertreten erscheint, für dessen Vohksrasse Herr Chamberlain selbst so begeisterungsvoll schwärmt. — Ja was edel am Judentum ist, das ist sein eigen, das Ungefällige es kam von außen her; sowie heute -i— man gestatte diesen Hinweis —sowie heute in Galizien, ein Land, das viele Eigenschäften besäße, gewissermaßen die gute Stube unseres Landes genannt zu werden, vorläufig aber noch immer — Verzeihung für den Ausdruck — l) Grundlagen II, 1016. Prof. Dr. Seberiny (Wien). 3) Oesterr. Wochenschrift 1905 No. 51.