Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 182 — beseitigt, aus der Welt geschafft. Ja der sprichwörtliche jüdische Reichtum er ist eine Legende, aber diese Legende schwindet doch nicht; er besteht dieser Reichtum — gegenüber dem Schicksal. Das goldene jüdische Herz es kann selbst die grausamste Tücke des Ungemachs zur hellen Verzweiflung bringen. Und in Ermangelung einer wirklichen Schutzmacht, die unsere Sache vertreten sollte, setzen wir unsere Hoffnung auf diese Macht der Liebe, sicher vertrauend, daß sie mit ihrem warmen Hauch die Gewalt des Hasses schon überwinden werde. — Eine jüdische Gemeinde, mag sie noch so arm sein, „an Humanität ist sie nie arm". -Nun, wer deckt denn ihr Armenbudget, aus welchem Fond, welchem Stammkapital wird denn.dies bestritten? Allerdings auch die jüdische Gemeinde hat ihre Sparkasse. Nur spart sie hier nicht für sich selbst, sondern für — andere. Diese Sparkasse es ist ihre Aeüokod mit ihren Haupt- und Nebenfilialen: Ug.6dn3.8a8 Oredini, Hachnasas Kallah, Bikur Cholim usw. Deren Aktien es sind —die bestätigten Vereinsquittungen, und deren Dividenden, die zahlt — der liebe Gott. — Nein, es gibt keine andere Erklärung für diese nie versiegende Humanität, als unsere Welt- und L e b e n s a n s ch a u u n g. Sie bildet diesen Fond, dieses unverbrauchbare Stammkapital an echter, an unverwüstlicher Kultur. Denn ganz natürlich, wo nur ein Gott waltet, dort gibt es auch nur eine Menschenfamilie, da bedarf es erst keiner Gelehrtenbeweise, aus der sogenannten Rassentheorie für das dritte geheiligte Menschenrecht, für das.Recht auf Persönlichkeit, das heißt auf die Segnungen der Kultur, auf Liebe und Gerechtigkeit, da fließt es von selbst aus der prophetischen Anschauung: „Und ein Hirte er wird für sie allesamt sein"/) da ist der Mensch eben nichts anderes, als Mensch, da schwinden alle Schranken der Konfession und der Nationalität, da ist die reine Menschlichkeit das Naturgemäße, das Unmenschliche aber das Widernatürliche. ’ ' Chamberlain aber verfällt in den Fehler seiner Gesinnungsgenossen, die das Judentum als Resultat trüber Zeiten betrachten nicht wie es an sich von Natur ist, sondern wie s i e es gern haben und sehen möchten. Das erinnert lebhaft an einen moralischen Wettbewerb, in welchem nur derjenige Sieger bleiben sollte, der dem Anderen geistig überlegen ist. Der eine sieht sich hierin hinter dem andern zurück, vergreift sich tätlich an demselben und ruft sodann stolz aus: Derselbe sei überwunden. Auf die Frage: aber wieso denn? antwortet er: Ich habe ihn blutig geschlagen. Ja aber verwunden heißt noch lange nicht überwunden. Chamberlain behauptet, die Idee des Judentums '„mache dasselbe in allen seinen Gestaltungen zu einem offenen oder versteckten Feind jedes anderen Menschen". Stimmt auffallend; wenn auch freilich nicht im Sinne des Chamberlain'schen, sondern unseres Standpunktes. Denn im Lichte desselben betrachtet, sind jene freilich andere Menschen, die vorläufig keine sonstigen Beweise für sich anführen können, als schlagende Beweise. Oder sollten wir vielleicht in Dank zerfließen für die Gnade, mit welcher „der Eintritt des Judentums in die abend- >) Ezechiel 37, 24.