Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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' »'yy ' \y- V5-?^'^ -fJWü.l.WWPIWW WJ — 180 — Ist es aber dann Tatsache frage ich wieder: Sondert die Idee des Judentums als volkswirtschaftlicher V^rtbegriff, als sozialer Faktor, sondert sie, wie Chamberlain so apodiktisch gewiß lind bestimmt annimmt, sondert sie das Judentum so gänzlich aus der leidenden, strebenden, schaffenden Menschheit. Die Antwort können wir getrost jedem wirklich Unbefangene^ überlassen. Wenn die Idee des Judentums, in diesem Sinne aufgefaßt, zu den sie zu-bezeichnen beliebt, nst Kultur, des Judentums das weitere unseligen fixen Ideen" gehört, wie Herr Chamberlain n solche fixe Jdeep dürfen wir ruhig in alle Zukunft der kulturfreundlichen Menschheit zur Nachahmung vorantragen! * * * Aus freier Wissenschaft und freier Arbeit folgt mit zwingender Logik Freiheit der Persönlichkeit : Teilnahme an den m o r a l i s ch e n Gütern der Gesamtheit. Hier steht nun in vorderster Reihe die Humanität; und.zwar im vollendetesten Sinne des Wortes. Die Humanität sie breitet ihren vergärenden-Schimmer über alle Errungenschaften der Nach dieser kulturellen Richtung fällt nun Chamberlain über die Idee schwerwiegende Urteil „sie mache dasselbe in allen seinen Gestaltungen (von der äußersten Rechtgläubigkeit bis zum ausgesprochenen Freisinn) zu einem offenen oder versteckten Feind jedes anderen Menschen, zueiner Gefahr für jede Kultur". Wir haben gesehen: llm Behauptungen ist C h a m b e r l a i n nicht in Verlegenheit; diese spendet er freimütig wie Pflaumen, weniger splendit verfährt er mit Nachweisen, Belegen. Diese sind doch offenbar in dem wissenschaftlichen Aufbau zweier Kolossalbände von dem Umfang der „Grundlagen" nicht überflüssig, mag deren Autor auch noch so oft und konsequent seinen „Laienstandpunkt" vorschützen. Die wissenschaftlichen Darlegungen dieser „Grundlagen" sie sind doch, so sollte man meinen, sprachlich wie auch sachlich innig verwandt mit —. Gründlichkeit. .. Wie verhält es sich nun mit dieser in Wahrheit hinsichtlich unserer dritten Kultürfrage, der Humanität? Zu dem Segen, der aus freier Bildung und freier Betätigung des Menschen fließt, gehört die. Tatsache, daß er seiner Selbständigkeit sich bewußt ist. Darin beruht ja das Ergebnis der modersien Gesellschaftslehre, daß der Mensch Person, nicht Sciche, nicht Gegenstand ist. Wenn der Mensch nur ein Triebwerk von Muskeln und S.ehnen wäre, ja wer hindert dann, denselben auch als unbeseeltes Ding zp behandeln, oder — zu mißhandeln? Käme man da nicht zu der Konsequenz, welcher Heine den sarkastischen Ausdruck gab: Wenn Du aber gar nichts hast, Nun so lasse Dich begraben, Denn ein Recht zu lebert>Lump, Haben nur, die etwas haben. Nein, das moderne soziale Streben es hat diesen Standpunkt überwunden und ein anderes Prinzip zur Geltuüg gebracht. Dasselbe aber ist ein biblisches, es lautet: „Und