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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-08-01 · Heft 8 (1.8.1906) · p. Seite 176

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 8 (1.8.1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 176 (sequence 10)
Language
German
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T WWWWWWI — 176 - im ganzen sogenannten klassischen Altertum bei Griechen und Römern die Arbeit gemessen wurde, kann uns ein Wort dienen, welches die Römer für dieselbe besaßen. Es lautet: .1 a b o r. Dies Wort drückt aber im lateinischen auch den Schmerz, das Wehe des Menschen aus.l) Jedes Arbeitsverhältnis der Menschen gegenseitig es war aber^hier mit dem Brandmal Sklaverei behgftet. Und so erklärt es sich, daß in Sparta zu einer Zeit und in Rom zu Ende her Republik (35 v. d. g. Z.) zirka 4M 000 Bewohner Sklaven waren. Was aber Gunter diesem Stigma Sklave zu verstehen ist, welche entsetzenerregende Pein mit. dentselben verbunden war, dies werden wir im Verlaufe dieser Darlegung noch eingehender Erfahren. Und dieser Fluch der Sklaverei er lastete während des ganzen Altertums und Mittelalters auf der gesamten Menschheit, bis endlich die nordamerikanischen Unions'kriege (1861—1865) denselben gänzlich getilgt. Allerdings, dienende, stnd gebietende Volksklassen gab es und wird es zu allen Zeiten geben. Aber das Verdienst der modernen Kultur es besteht darin, den Namen Arbeit von seiner Schmach befreit, und zu Ehren gebracht zu haben. Sie war es, die in die sogenannten Modernen Sklavenhäuser, in die Jndnstriestätten, in die Gewerbe- und Gewerkshallen den Engel der Humanität gesandt als Anwalt unserer arbeitenden Brüder, als Verteidiger ihrer Rechte auf Arbeiterschutz, Arbeiterhilfe, Arbeiterversicherung,-Arbeiterversorgung usw., Rechte, die wohlbegründet und weitentfernt sind von eitlen, nebelhaften Truggebilden. Aber wie? Ist denn-dies alles wirklich nur eine Errungenschaft der modernen Kultur? Die Sprache") eines Stammes sie ist der klare Spiegel seines Bolkscharakters. Ein Laster, ein Vergehen'demnach, für welches der abgeschlossene Wortvorrat einer Sprache keinen Ausdruck hat, es muß auch dem Gesetz, das in ihr geschrieben ist, ein unbekannter Begriff gewesen sein. Die. Sprache der Bibel sie hat nun für das ZVort Sklave gar keine Bezeichnung. Das bekannte Wort: „Ebed" diese biblische Bezeichnung für Knecht, von der Grundform „Abod", arbeiten abgeleitet, es heißt^eben nichts anderes als Arbeiter. Dies Wort konnte aber zugleich die höchste Ehrenbezeichnung sein. Denn selbst Mose wird „Ebed Adonai" Knecht Gottes genannt. Das jüdische Schrifttum hat für Gerechtigkeit und Liebe eine ganze Reihe von Bezeichnungen, aber keine einzige für das Wort Sklave. Hingegen dem, mit dem Namen Ebed bebezeichnenten Arbeiter ihm bietet das jüdische Schrifttum besonders aufmerksamen Arbeiterschutz. Dieser erstrestte sich selbst auf die geringste Körperverletzung. Sogar für den durch seinen Herrn Erlittenen Verlust eines — Zahnes erhielt er seine Freiheit (ll. B. M. 21, 27). Und das talmudische Schrifttums fügt erläuternd hinzu: Tolesch bis’konö w’dildel bö ^zem: Auch für das Ausreißen eines Barthaares oder die Verrenkung eines Gliedmaßch durfte er frei ausgehen. *) Bloch a. a. O. S. 20. -) Zu vergl. Die Ausführungen Blochs über diesen Gegenstand a. a. O. S. 16. 3) Aiduschin S. 24.

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