Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 166 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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166 Mi^heilgem Bann hatt' ich mein Aug' verpflichtet, Begehrlich keine Jungfrau anzuschaun diach Gottes Willen hatt' ich mich gerichtet, Der Frevel straft mit Unheil, Nacht und Grau'n. Er sieht nrein Tun und Trachten alle Tage. — Ich darf auf.meine Unschuld kühnlich bau'n, Er wäge mich nur mit gerechter Wage! Wenn je mein Fuß vorn rechten Weg gewichen, Wenn je mein Aug' gefolgt des Herzens Schlag, Wenn heimlich ich zu Lug und Trug geschlichen, Wenn ich von Reinheit jemals mich entfernte, So sei mein Nachwuchs gänzlich ausgestrichen, So nehm' ein andrer meiner Arbeit Ernte! Wenn jemals ich die Sinne ließ verführen Um Weibes. Witten, wenn mich der besternte Nachthimmel je sah an des Nächsten Türen, So soll mein, eigen Weib die Treue brechen, Witt ich des Lasters ew'ge Folgen spüren Und bis zum Tode nicht um Gnade sprechen! Hätt' ich der Magd, des Knechtes Recht gebeugt, Was'könnt' ich sagen, wollte Gott es rächen? Har jene nicht der Herr wie mich erzeugt, Wie mich in unsrer Mutter Leib erschaffen! Hab' ich den Armen nicht mein Ohr geneigt? Wollt' ich für mich nur-Hab und Gut erraffen Ließ ich die Wittwe unversorgt verschmachten? Ließ Waisen ich in Hungerpein erschlaffen? Nein, als der Waisen Vater mich betrachten Lernt' ich schon früh, und frühe war mir Pflicht, Die Wittwe gleich der eignen Mutter achten. Trat ein Berlassner nackt mir vor's Gesicht, Ein Dnrft'ger unbedeckt — mit Wollgewanden Versah ich ihn, entließ ihn eher nicht. Wenn je durch mich bedroht sich Waisen fanden, So soll die Schulter mir herniederfallen, Es werde mir der Arm zerstückt, zu Schanden! Was ich getan in meines Hauses Hallen Geschah in Gottesfurcht und frommer Pflicht. Hätt' ich zum Gold und zu den Schätzen allen