Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- Zophar 1× ep/1007710
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165 Unbeirrt und unbelehrt singt Zofar') das alte Lied weiter: Die süße Frucht der Bosheit verwandelt sich dem Gottlosen doch endlich in Gift. Hiob hat seine Seelenruhe bereits wiedergewonnen. Ohne Seitenblick auf sein eignes unheimliches Geschick, sucht er in leidenschaftlosen Worten darzutun, daß es doch in Wirklichkeit den Gottlosen ganz anders ergehe, als die Freunde schönfärberisch es dargestellt haben. So müsse also eine andere Norm des Menschen Schicksal ordnen und es sei ein Frevel, ihn wegen seines Mißgeschicks für einen Sünder zu halten?) Wie schwach muß jetzt Elisas seine Position erscheinen, wenn er Hiob-) Behauptungen unterschiebt, die dieser gar nicht ausgestellt hat; wie widersinnig däncht es uns, we.ttn er den frommen Dulder mit den gottempörerischen Titanen der Vorzeit vergleicht und ihm Leugnung des Vorsehungsglaubens vorwirft. Wie schlecht muß es um seine Ansicht stehen, wenn er statt zu beweisen, verdächtigen muß: zweifellos hast du deinen Bruder ausgepfändet und Bettlern ihrer Lumpen schnöd' beraubt, Wasser wehrtest du dem Matten, Labe den Lechzenden!*) Wir billigen es, wenn Hiob diese erniedrigenden Vorwürfe keines Wortes würdigt. Er hat besseres zu sagen, was die Sache selber trifft, um die gestritten wird. Die Freunde geben vor, Gottes Ratschluß zu kennen, so rückt er ihnen die absolute Unbegreiflichkeit des göttlichen Tuns vor Augen. Auf der einen Seite5) zeigt er den Übermut reicher Bedrücker, auf der andern Seite schildert er die wehrlos geknechtejen und schutzlos ansgebeuteten Armen. Gott schweigt dazu. Wer will solches deuten? In Bildads darauffolgender kurzer Rede«) hat man mit Recht ein Rückzugssignal gesehen. Gegen den Gemeinplatz, dessen er sich annimmt: alle Menschen sind Sünder, auch der Fromme, folglich muß auch der Fromme leiden, läßt sich doch sogleich einwenden: Dann müßte aber proportional der Sünde der Fromme weniger leiden als der Frevler. Ist dem so? Die Erfahrung läßt diese Proportion nicht gelten. Daher hält Hiob seine Ansicht aufrecht, daß das menschliche Geschick, wie so viele Erscheinungen in der Welt, ein ungelöstes Gottesgeheimnis bleibe. Eines sei klar. Alis dem äußeren Ergehen eines Menschen könne nie und nimmer ein Schluß auf seine Sünde gezogen werden. Das zeige deutlich das Leid des Frommen, das die Bolksauffassung widerlege, als ob jedes Leid Folge der Sünde sei. Darin liegt freilich bloß eine negative Lösung. Die positive Beantwortung der Frage entziehe sich dem Menschen, llur Gott allein vermöge hier Licht zu bringen?) Hiobs Unschuldsbewußtsein steht darum llnerschütterlich fest.") Er schildert, wie er bestrebt gewesen ist, Gottes Witten zu befolgen. In, der Schilderung seines sittlichen Verhaltens zeigt der Dichter eine Aufhöhung des sittlichen Bewußtseins, die durch keine andere Ethik überboten werden karrn. Wir können uns nicht versagen, diese hochgestimmten Worte") in der meisterlichen Übertragung Klausners") hier anzuführen: ')c. 20. 2) c. 21. a) c. 22. 4) c. 22, 6. *) 24.-2 ff. tf) 25. 7) c. 26—28. *) c. 29. 30. c) 31. ,üj Gedichte der Bibel.