Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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164 auf Hiob wohl eine Schuld laste, geißelt ihn jetzt wegen seines Widerspruchs gegen die übliche Vergeltungslehre als Religionsverächter; „Du zerstörest nur die Furcht des Herrn und frommen Sinn, der uns vor Gott geziemt."') Es ist doch an dem: Gottlose nur trifft Unheil, und scheinen sie selbst glücklich, im Innern des Frevlers wohnt der Schrecken vor der sicheren Strafe, und scheucht ihn auf, sein Bangen zu betäuben?) Von den lieblosen Freunden^üchtet sich der Schwergeprüfte zu Gott: „Es verhöhnen mich meine Freunde, zu Gott blickt tränend mein Aug' empor."") Vor Gottes Zorn rettet er sich zu Gottes Huld, „daß der Herr Recht schaffe dem Manne gegen Gott und zwischen dem Menschen und seinen Nächsten schlichte.'") Den Ewigen ruft er zum Zeugen seinem Unschuld an. Vor den verblendeten Freunden möge Gott ihn rechtfertigen.-') Dann aber überfällt ihn, wie es bei seinem schweren Siechtum erklärlich und in dem Charakter der ihn plagenden Krankheit begründet ist, Schwermut und Verzweiflung unb nur im Grabe scheint ihn: einst Erlösung zu winken?) Bildad sieht darin nur die Verzweiflung einer schuldbeladenen Seele und spinnt unbeirrt um Hiobs frühere Einwände den Faden jenes genügsam bekannten Theorems weiter: Wo Leid, da Laster! Hiob könne doch nicht beanspruchen, daß seinetwegen dies eherne Gesetz gebrochen werde. * 7) Er bleibt bei der alten Wahrheit: Nur das Licht der Frevler erlischt?) Diesem niederschmetternden Urteil gegenüber zeigt Hiob noch einmal in rührend schönen Worten die ganze ungeheuerliche Größe seines Unglücks. Angesichts so erschütternden Wehes hätte für die Freunde nur eines gegolten: Das Gebot duldender und helfender Liehe?) Statt dessen hatten sie durch herzlose Verdächtigung seinen Jammer noch vermehrt.' So bleibt ihm nur ein Stern in dieser Finsternis, die Zuversicht, Gott wird sich als Freund wieder zu ihnl bekennen und vor allen Menschen seine Unschuld dartun. So hat sich der Heimgesuchte vor dem Vorurteile seiner Freunde in die geöffneten Arme der göttlichen Liebe gestürzt. In tiefster Seelenpein geht ihm die selige Erkenntnis wie eine strahlende Morgenröte auf?9) Die Gemeinschaft der Frommen mit Gott ist unlöslich, sie kennt keine Trennung, nicht im Leide und nicht im Tode. Wer in Gott lebt und webt, den vermag auch kein Schmerz von Gottt zu trennen. Leidet aber gerade der Fromme, so ist dies die fleischgewordene Widerlegung des von den Freunden vertretenen Standpunktes, so muß das Leid der Frommen statt Strafe oder Zucht in einem geheimen Liebesplan Gottes seine Erklärung haben. Wir kennen diese Auffassung bereits aus dem Prolog: Das Leid des Frommen beweist, daß es eine uneigennützige L^ebe zu Gott giebt, es ist ein Triunrph idealer Religiosität — für den kleinlichen Geist Satans und seiner Anhänger allerdings ein unverständliches Mysterium. J) c.15. 4. ■*) c. 15, 20 ff. 8) Hi. c. 16. 20. c. 16. 21. -') c. 17, 3. ff. ") c. 17, 16. 7) c. 18. 4. *) C. 18. 5. 9) c. 19. 21. 10) c. 10. 25.