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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-06-01 · Heft 6 (1.6.1906) · p. Seite 136

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 6 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 136 (sequence 18)
Language
German
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sterben und doch leben. Man kann Leben und doch sterben. Man kann leiden und doch glücklich sein. So sagten die Späteren: Gerechte heißen - „lebend" auch im Tode, Frevler heißen tot auch im Leben. Dieser religiöse Idealismus webt in Psalm 23, der Gott preist als den treuen Hirt und guten Wirt- „Der Herr ist mein Hirt, mir fehlet nichts! . . . Auch im Tale dunkler Schatten fürchte ich nichts Böses, du bist ja bei mir/") In stiller Gottergebenheit tönt es leis und lind an anderer.Stelle: -) „Herr, nicht ist stolz mein Herz, nicht blicken hoffärtig meine Augen, nicht trachte ich nach großen, hohen Dingen. Still wie die ruhige See ist meine Seele, wie das Kindlein, wenn es wunschlos in stillem Frieden bei der Mutter ruht, so still und ausgeglichen fühlt sich in dir mein Herz." Aus solcher Kraft des Glaubens war das gewaltige „Dennoch" des 73. Psalms geboren. Das ist wahrer Glaube, der vertraut und nicht sieht. Jeder echte Glaube ist ein solches „Dennoch". Glauben heißt in der klassischen Sprache der Religion heetmn, d. h. eigentlich seinem Leben einen neuen Halt, eine rechte Festigkeit geben. Die Jesaiaspredigt ist dazu die beste Erläuterung3): „Glaubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht. Der Gläubige wanket immer." Ein Funke aus dieser Feueresse ist der Rabbinenspruch*), den wir aus seiner dunklen Bildersprache also in unsre modern-religiöse Ausdruckswrise übertragen möchten: Wer mit ganzer Kraft den Glauben bekennt, dem öffnen sich des Paradieses Pforten, der genießet immerdar des Edens Seligkeit. . Selige Wonne liegt über Psalm 73 gebreitet. Sein sieghafter Schlußakkord ist ein Triumphgesang unbeirrten Glaubens.5) „Habe ich dich im Himmel, so begehre ich nichts neben dir auf Erden. Schwindet gleich mein Fleisch und mein Gebein, Hort meines Herzens und mein Teil ist Gott auf ewig. Die Nähe Gottes tut mir wohl, auf den Etvigen setze ich'meine Zuversicht." Wie ein Motto zu solchen Klängen lesen sich die beiden Weisheitswortefi): Die Gottsucher begreifen alles, der Gerechte fühlt sich wie ein Löwe sicher. (Forts, folgt.) - Glaubet und wirket. Predigt, gehalten bei der Konfirmation der Mädchen in der Synagoge zu Bielefeld am 10. Juni 1906 von Rabbiner Dr. Coblenz. Meine lieben Konfirmandinnen! Andächtige Festversammlung! Die Feier des heutigen Tages ist für Euch, meine lieben Schülerinnen, hochbedeutsam. Denn Ihr legt in dieser Stunde an geweihtem Orte und vor versammelter Gemeinde ein * Bekenntnis ab, das für Euer ganzes Leben Maßstab und Richtschnur bleiben soll. Nicht als ob dies Bekenntnis an sich etwas^Neues wäre, das l) </ 23. l 2) y 131, 1, 2, 3) Jej. 7, 9 a. 28, 16 vgl. II. Chrom I, 20. *) Talm. bab Sabb. 119 b. 5) y 73, 25. 6) Spr. 28, 1 u. 5.

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