Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 133 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Wenn einen Menschen die Natur erhoben, Ist es kein ^Sünder, wenn ihm viel gelingt. Man muß itr. ihm die Macht des Schöpfers loben, Der schwachin Ton zu hohen Ehren bringt. Doch wenn ^in Mensch von allen Lebensproben, Die sauerste! besteht, sich selbst bezwingt, Dann kann plan ihn mit Freuden andern zeigen, Und sagen: Aas ist er, das ist sein eigen. Stritt um Schritt sehen wi^r das Böse wachsen, es erfüllt sich die Tragik der Sünde. Die Paradiesesseligkeit geht den Menschen verloren, die Pforten Edens schließen sich und der Engel mit dem flammenden Schwert') zeigt den Weg zur Arbeit und Buße. Leid und Not ist der Sünde Lohn. Die innere still beglückte Ruhe des Gemütes entweicht durch das Böse, uyd Schmerz und Mühsal wird des Sünders Los. . . Eine großzügige Theodicee voll tiefgründiger Seelenkunde, die als physisches Naturgesetz betf Satz aufstettt: „Wo die ^Sünde einzieht, da flieht der Friede", eine farbensatte Illustration zu dem Prophete rwort: Die Frevler sind wie das aufgewühlte Meer, es kann nimmer schweigen, aufwirbeln seine Wogen Schlamm und Schmutz. Kein Friede den Frevlern, spricht der Herr.^)!! V. Jeremias nutz Ezechiels Lösnugsversuche. Den Frevlern kein Heil! Ist dies der Weltlauf? Zeigt das Leben das Gesetz der Vergeltung oder drängt sich nicht vielmehr die Wahrnehmung ayf, daß mit Nichten Tugend ünd Glück harmonieren?! r Eine spätre Philosophie konsite in Ruhe erörtern und aufzeigen, daß dem so sein müsse. Es darf im Leben nicht galr zu augenscheinlich die Norm sich durchsetzen, daß dem Guchn die Anerkennung folgt, ^wie aus dem Samen die Pflanze erwächst. Harrte jeder Wohltat sicherer Lohn, so keimte die Fülle des Guten aus dem Boden der Selbstliebe und verlöre ihren sittlichen j Wert, ebenso wäre es unverträglich mit dem Gerechtigkeitsbewußtsein, wäre dem Gerten je und je der Lohn versagt. Sittliches Handeln ist eben pur denkbar, wenn es auf Erfolg weder für immer verzichten, noch in jedem Falle sicher auf ihn rechnen darf.; Das ist aber ein spätes Hhilosophem. Erst Jonatan ben Eleasar sagt im Midrasch!*): Tod und Leid sind deshalb über Fromme wie über Frevler verhängt, damit man das Gute Glicht aus Eigennutz tue. Dem schlichten Menschenverstand begegnet auf Schrstt und Tritt die vergebennach Antwort ausschauende Frage, die Jeremias*) in die Äorte gekleidet hat: „Warum ist der Weg der Frevler glücklich?" ') Gen. 3, 24. 2) Jes. 52, 20. 21. 3> Gen. rabb. cap. 9. *) Jer. 12, 1.