Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2970002-2970008--7977-2978675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
131 Denn Gott ist nicht vornehmlich i nd wesentlich eine Idee, sondern Gott ist zuerst und wesentlijch ein lebendiges, heiliges und liebendes Wesen, das nicht zuerst wissenschaftlich erforscht!, sondern im Herzen angebetet und verehrt sein will. Und weil er ein solcher Gott ish darum haben die Semitgn seine Apostel sein müssen für die ganze Welt; sie haben ein Herz gehabt für ihn von Anfang an." IV. Der Sündtnsall als Theodiceesragment. Die Propheten hatten gepredigt: „Leid ist der Sünde Sold, jede Schuld rächt sich auf Erden." Was aber ist Schuld? Worin besteht das Wesen der Sünde? Wer ergründet die Naturgeschichte des Bösen und zeigt, wie die Sünde über den Menschen allgemath die Herrschaft gewinnt? Die Macht und die Folge, das Wesen und die Wirkung der Sünde, das ist der große Gegenstand, den die Erzählung vom Sündenfall') in wunderbarer Schönheit und Tiefe darstellt. In Paradiesesglück lebt der' Mensch und sein Weib und kennen die Sünde nicht. In fröhlichem. Genuß dürfen sie sich ihres Daseins freuen, eingeengt nur durch ein Verbot ihres Schöpfers. Da naht die Schlange: „Hat denn Gott wirklich gesagt, daß ihr von! keinem Baume essen sollt?"2) Weislich beginnt sie mit einer Frage, auf die der Mensch gar leicht antworten kann. Auch der Zweifel fängt zunächst mit leise tastenden Versuchen an, den Gottgjehorsam des Herzens zum Wanken zu bringen. Die Schlange, sie ist die verkörperte Schlauheit: sie wendet sich zuerst an das Weib, «in das Lenksamere, das geringeren Widerstand bieten dürfte. So sucht die Sünde in Stunden gesteigerter Empfindlichkeit unb Empfänglichkeit für Sinnesfreuden den Menschen zu bewältigen. Das Weib antwortet ... sie steht dem Verführer willig Rede, statt ihn fest und bestimmt mit seinem schlimmen Ansinnen zurückzuweisen, sie setzt sich damit seinen weitere»! Einwänden aus, sie gibt dem Bösen den kleinen Finger, bald wird er die ganze Hand besitzen. T!ie Schlange ist um ein lockend Wort nicht weiter verlegen: „Ihr werdet nicht sterben, vielmehr weiß Gott, daß hm Tage, da ihr davon esset, euch die Auge» auf-, gehen werden, und ihr wie Gott sein werdet, wissend Gutes wie Böses."') Nicht mit Tod und Verderben, mit Götterglkjichheit lohnet die verbotene Frucht. Fein wird hier an den Menschlichen Ehrgeiz, an seih Erkenntnisstreben, an seinen Wissensdrang appelliert. Aber dih Wahrheit bringt nur Segen, wenn sie auf gottgewolltem Wege erworben wird: „Deh dem, der z» der Wahrheit geht durch Schuld, sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein." Jjn Gehorsam gegen Gott, in der Schule seiner göttlichen Weisheit hatten die Protoplasten auch an Erkenntnis mehr und mehr wachsen sollen. Freiwillige Befolgung ‘)l(Steit. 3. 2) Gen. 3, 1. s) Gen 3, 5.