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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-06-01 · Heft 6 (1.6.1906) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 6 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 129 (sequence 11)
Language
German
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129 Für die Schwindsucht ist ihr. Unschlitt, Fürs Gesicht die Galle gut; Gemsenfleisch ist gut zu essen, Und den Schwindel heilt ihr Blut. Auch die Haut dient uns nicht minder Strahlet! nicht aus diesem Tier Nebst dejr Weisheit des Allmächtigen Auch deK Schöpfers Lieb' hierfür! Dergleichen Vorwitz muß Man auch bei der Beschäftigung mit der Geschichte sorgsam meiden. „Nicht sind meiye Gedanken eure Gedanken und nicht meine Wege eure Wege spricht der Herr. So hoch der Himmel ist über der meine Gedanken, über den euern."*) Man muß der Pflicht eir gedenk bleiben, sich demütig zu bescheiden. Gelegentlich jedoch vermag die Philosophie der Geschichte lichen Weltordnung, die sich zumeist der menschlichen Wahrnehmung entzieht, auf frappante Weise im Schicksale der Völker nachzuweisen. Indem c n der Geschichte der Völker dargetan wird, daß eine durch soziale Tugenden ausgeze d schwersten Krisen überwindet, dagegen ein begabtes, aber der Volk zu Grunde geht, tritt uns darin das Wirken der sittlichen leben sichtbar und deutlich entgegen. Das ist nun im Wesentlichen ganz die Auffassung her Propheten; ihr geben sie in ihren Reden Ausdruck, das Walten einer sittchnete Nation auch die Sinneslust fröhnendes Gotteskraft im Bölkervon ihr zeugen die geschichtlichen Darstellungen, die sie'dem Geschicke ihres Volkes gewidmet haben. Dieser feste Glauben an Ghttes Gerechtigkeit im Leben des Einzelnen und der Völker ist bei den Propheten nicht Ausfluß einer vorübergehenden Gemütsaufwallung^ sondern der tiefste Grundzug ihres ganzen Wesens. Darum vertraten sie diesen Gedanken mit einer so beispiellosen und unvergleichlichen Energie rind Kraftfülle. Nur so konnte sich die Idee, die ihnen sich mit überwältigender Majestät aufgezwungen hatte, allgemach in das Gesamtbewußtsem ihres Volkes einleben und schließlich Gemeingut der ganzen' gesitteten Menschheit werden. Was wir an kraftvollen wirksamen Sittlichkeitswerten und Religionsschätzen besitzen, hat hier seine Heimat und seinen Mutterboden. Allerdings ist es ein Gebot der Ehrlichkeit zu sagen, daß auch im heidnischen Hellas hie und da — schwach und suchend — Stimmen erklangen, aus denen eine Ahnung von einer sittlichen Weltordnung, von einer gerechten göttlichen Waltung uns entgegenzittert. Schon Äschylos') preist die hohe Gerechtigkeit des Zeus und dichtet: „Lautres Herz bewirkt harmloses Leben, den Frevler aber scheuchen Eumeniden." Sophokles in seinem Ödipus auf Colonos mahnt: „Haltet euch überzeugt, daß die Götter auf die Frommen und auftdie Frevler schauen und daß keiner ihrem Blicke je entgeht." Platon, der dem jüdischen Gottbewußtsein wohl am nächsten gekommen ist, 1) Jes. ö5, 6, 9. *) Zeller. Geschichtliche Borträge S. 6.

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