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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-06-01 · Heft 6 (1.6.1906) · p. Seite 128

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 6 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
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128 Bösen Unheil plötzlich kommt.') Gott, der gerechte Richters liebt Gerechtigkeit,3) richtet die Völker4) und vergilt einem jeden nach seinem Tun.-^) Wie er über den Bösen Leid bringt, so segnet er den Gerechten und umgibt ihn mit Gnade wie mit einem Panzer.") Der Gottlose ist wie eine Pflanze in der Wüste, die auf dürrem Boden vergeblich ansschaut nach Erfrischung.') Der Fromme ermangelt keines Guten,") er ist wie ein Baum am rieselnden Quell, der immer Laub trägt und Früchte bringt. ") Frevlerisch und vermessen erscheint es, an der Wirklichkeit der göttlichen Weltordnung zu zweifeln. Die Leugnung der göttlichen Gerechtigkeit, das eben ist die Theorie der Bosheit. Vom Argen gilt, daß all sein Sinnen dahin geht: es gibt keinen Weltenrichter.lö) Es ist unantastbare Wahrheit und Gewißheit: Das Glück des Einzelnen wie der Nationen steht in einem ursächlichen Zusammenhang mit ihrer sittlich-religiösen Beschaffenheit. Alls die Frage nach dem Sinne des Lebens und der Grundnorm der Weltdeutung hätten die biblischen Gottesmänner mit dem Bekenntnis geantwortet: „Erhaben ist der Ewige der Heerschaaren, im Gerichte und der heilige Gott wird geheiligt durch Gerechtigkeit."") Es war nur folgerichtig, daß dieser Maßstab auch an die Erscheinungen der Geschichte angelegt wurde. Es entstand so eine eigentümliche Geschichtsphilosophie, die sich am kürzesten auf die Formel bringen läßt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, Sünde aber richtet Nationen zu Grunde."'') Die Propheten sind die konsequenten Verfechter dieses Standpunktes. Es ist dies die er-ste und älteste und zugestandenermaßen nicht die schlechteste Deutungsweise der geschichtlichen Tatsachenbestände. Die Gottesgerechtigkeit ist das einigende Band, das alle Erscheinungen der Geschichte zu ei Ganzen verwebt. Wie Herder die Humanität, s^ ist den biblischen Sehern das Gottesreich das Ziel der Geschichte. Mit Lessing würden sie in Gott den Erzieher des Menschengeschlechtes sehen und mit Hegel an eine einstige Verwirklichung des göttlichen Weltzweckes glauben. In der Geschichte erblicken sie den Finger Gottes, in den Ereignissen ahnen sie die Spuren des himmlischen Waltens.'3) Die Weltgeschichte ist das Weltgericht, das Leben' der Völker in seiner Blüte und in seinem Verfall — eine große Offenbarung Gottes. Das war eine Entdeckung von bleibendem Wert. Man begreift in unserer Zeit immermehr, daß nicht nur die Betrachtung der Natur, sondern auch das Versenken in die Geschichtswunder uns die Erhebung zu Gott vermittelt. Freilich biirfen wir uns nicht vermessen, dem Höchsten kleinlich seine Pläne in der Geschichte nachrechnen zu wollen. Wir lächeln heute über die physikalischen Gedichte jenes Hamburger Ratsherrn Brockes, der die Güte Gottes an allen Creatureü nachweist und z. B. von der Gemse das Loblied singt: ') Spr. 6, 15. 2) 39, 5. 3) y 11, 7. 4) y 2, 10. 6) Spr. 24, 12. «) y 5, 13 u. Spr. 2, 8. 7) Ier. 17, 5-8. ") 34, 11. ») y 1. 10; y 10, 4 und 14, 11. ") Jes. 10, 1! Jes. 5, 16. Spr. 14, 34. '3) vgl. Graue Zeitschrift für Prot. Theol. 1886 S. 3.

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