Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 119 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Kompagnon eine beträchtliche Summe auszahlte und alleiniger Eigentümer des Blattes werden koynte. Dann entwickelte er erst in schwierigen Situationen seinen ganzen Scharfsinn, j Für die Stimmungen se nes Publikums hatte er eine feine Witterung und akkomodierte sich immer. „Tenn", pjftegte er immer zu sagen, „ich mache mein Blatt nicht für mich, sondern für die Abonjnenten." Diese Akkommodation kostete ihm kein großes Opfer, denn für die ideale S^ite des Berufs ließ der Geschäftsmann in ihm das Berstäfidnis nicht aufkommen. derselbe Geschäftsmann bewährte sich in der Wahl der Mitarbeiter. Es gibt keinen npgarländischen Publizisten von einiger Bedeutung, den er nic^t, wenigstens in seinen Anfängen, an sein Blatt zu fesseln verstanden hätte. Zu halten wußte er sie freilich nichts Aber der Mann, der im Kleinen oft kleinlich sein konnte; zeigte in großen Dingery einen großen Zug. Die Stiftungen, die er noch bei Lebzeiten machte — ein Kinder sMal, einen Pensionsfonds für seine Mitarbeiter, Dotationen für die Akademie der Wissenschaften — erreichten wohl die Höhe einer Million. sDie Regierung ließ ihn dafür als ersten Publizisten ins Magnatenhaus berufen fifr den Mann, der sich seiner Anfänge stets erinnerte, eine lebhafte Genugtuung. Jtr den letzten Lebensjahren mußte er sich von den Geschäften ganz zurückziehen; seitt Geist aber, der Geist einer behutsamen Auffassung jeder Situation, schwebte noch immef auf dem Blatte, das unter allen ungarischen das objektivste und zuverlässigstei geblieben ist. Sigmund Brody starb fünfundsechzig Jahre alt, verwitwet und kinderlos. — In Leyden starb der berühmte Professor der klinischen Medizin pr. Rosenstein im 74. Lebensjahre, tief betrauert, nicht nur von den Seinen, sondern auch von der gesäumten Wissenschaft. Rosenstein war ein geborener Berliner, jbcr älteste Sohn des seligen Rabbinatsassessors E. Rosenstein. In Berlin machte er auch seine Studien und ließ sich dann als Ärzt nieder. Auf wissenschaftlichem Geriete schloß er sich Birchow und Traube erfolgreich an. 1863 erwirkte er seine Zulctssung als Privatdozent für innere Medizin an der Universität Berlin. 1865 erschloß sich ihm ein größerer Wirkungskreis. In Groningen war die ordentliche Professur frei geworden. Über die Neubesetzung der Lehrkanzel wurden Birchow und Trauhe befragt. Beide traten für Rosenstein ein. Rosenstein wurde nach Groningen berufen. 1872 siedelte er nach Leyden über. An beiden Universitäten hat Rosenstein mit großem Erfolg gewirkt. Sehr geschätzt war Rosenstein auch als Praktiker. Er wurde wiederholt au den Hof berufen. Als natürliche Aufgabe fiel ihm zu, zwischen der deutschen und nieder ländischen Medizin zu vermitteln. Rosenstein hat auf vielen Gebieten der inneren Medizin mit Erfolg Hand angelegt. Obenan steht, was er in der Lehre von den Niereukrankheiten geleistet hat. Rosensteins „Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten" machte Epoche. Sie beherrschte bis zum gewissen Grade eine ganze Reihe voü Jahren hindurch das einschlägige Gebiet. Verwiesen sei noch auf die Tatsache, daß Rosenstein zu denjenigen zählte, die schon frühzeitig auf die Bedeutung der Mikroorganismen als Krankheitserreger hinwiesen. Rosen-