Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 100 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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4 100 David (ihm uachrufeud): 0 Freund, was tust du? Weg ist er. Zu spät! Was soll ich tun, was sagen, wenn sie kommt? (In Träumerei versunken, ergreift er die Harfe und spielt einige Akkorde. Währenddessen kommt Jonathan mit Michal aus einer der Türen links. Jonathan entfernt sich lächelnd, auf David zeigend.) VII. Scene. Michal. David. David Laufblickend und Michal bemerkend): Du bist's! Zerrinne nicht, o süßer Traum! Denn nur ein Tranm ist's, holde Königstochter, Daß ich dich seh' und lebe! — Michal: Du staunst mit Recht, Mich hier zu sehn. Längst brach die Nacht herein — Verletzt Hab' ich die Sitte Israels. Denk' drum nicht schlecht von mir. Nicht war' ich hier, Hätt' nicht der Bruder dringend mich gebeten. — Nun. ging er ^ort und lässet mich allein.— Ich geh. Ich borf nicht bleiben! Scham und Angst Erdrücken mich. Leb wohl! (Will gehen.) David: 0 gehe nicht! Wer weiß, ob ich noch einmal dich erblicke! Ich ziehe in den Kampf, vielleicht zum Tod. Michal: (Macht eine Bewegung, welche zeigt, daß sie ergriffen ist. Sie wendet sich wieder David zu.) Nein, ziehe nicht! Genug hast du gekämpft. Der König send' auch einmal andre Helden. David: Für diesmal kann er nicht. Denn sieh, um dich Muß ich jetzt ziehen in den Kampf. Michal': Um mich? David: Dreihundert Häupter der Philister soll ich Als Morgengabe deinem Vater bringen. Michal: Als Morgengabe? Wie? Versteh' ich recht? David: Ja, Michal, du wirst mein, mein süßes Weib! (Will sie umarmen, sie weicht zurück.) Michal: Ein Dichter seist du, sagt mir Jonathan, Vielleicht hast du ein Märchen nur gedichtet, Mich zu erfreuen, wie man Kindern tut. David: Nein, es ist Wahrheit, hell und klar, Wie dort der Mond, der lächelnd niederschaut Auf mein ungläubig Liebchen. Michal: Wie gerne möcht' ich's glauben, könnt' ich nur! Zu plötzlich kam es und zu unerwartet — Auch kränkt es mich, daß.du beim Vater gleich So ohne weiteres um mich geworben — Wie kann ich glauben, daß dein Herz mich liebt? Die Lieb' hat ) Worte und die Lieb' hat Blicke! Nie grüßte mich dein Aug' und nie dein Mund.