Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 101 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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101 Du übersähest mich wie eine Magd — Und nun auf einmal, da es dir gefiel, Mich zu begehren, Warbest bu um mich, Doch lei dem Vater nur und nicht bei mir. Bin ich so niedrig, daß man mich verkaufe. Wie eine Sklavin der Phönikerstädte, Am offnen Markte, eine Ware nur? Man schließt den Handel ab und fraget nicht, Ob ihr der fremde Käufer auch gefalle. David: Wenns einen Sklaven gibt, so bin ich's selbst. Du, meine Herrin, der ich willig diene. Hätt' nicht der edle Freund für mich geworben Beim König, mein Geheimnis ihm enthüllend, Nie hätt' ein Blick, ein Laut sich mir entrungen. Wie dürft' ich's wagen, meinen Wünsch ju dir, Des Königs Tochter zu erheben? Ich schwieg — Und auch dem Freund vertraut' ich nichts. Ich wollte Es stolz verschließen auch vor ihm. Doch er. Mit zartem Sinn erriet er, was ich fühlte. Wie glücklich tvar ich, daß ich ihm, dem Edlen, Mein übervolles Herz erschließen konnte! Und das Geheimnis hat er gut bewahrt! Wär's anders, stünd' ich nicht beschämt vor dir — (sich ihr nähernd, sie an der Hand fassend, mit gedämpfter Stimme und heißer, unterdrückter Leidenschaft) Ich könnte frei mein Aug zu dir erheben, Dir sagen, wie die Flammen mich verzehren, Wie ich vergeh' vor deinem süßen Blick. Wie ich mich sehne uach dem Harfenton, Der deinen Lippen wohltautreich entklingt. Komm' mir zu Hilfe, holde Sommernacht, Laß die verborgnen Stimmen leis erklingen, Hauch deinen warmen Liebesatem aus, Leih' mir den Glanz von Millionen Sternen, Daß meine Liebe funkte hell und leuchtend, Des Zweifels Dunkel siegreich überstrahlend. , M ich a l: O, ruf' die Sommernacht nicht an! Die Glut Des Südwinds mag der Blumen Kelch erfüllen, Die ihm zum Lohn ihr Süßestes gewähren — Auf seinen Flügeln trägt er's durch die Nacht, Mit Duft und Blüten selig sie erfüllend. Doch Menschenblumen ist sein Hauch gefährlich-Tu raunst mir zu solch' glühend heiße Worte, Die eines Mädchens Ohr rficht hören darf! — Und doch lausch' ich so gern dein Schmeichelklang, Und bin so töricht, alles dir zu glauben. (Umarmung.) David: Nun zieh' ich heiter! Dreifacher Panzer ist mir Die Liebe meiner Michal. So gerüstet, Geh' ich zum Kampf, als wär's zum Reigentanz, Ter Waffen Klang ift jfiifKfte Musik, Des Feinhes Schlachtruf wird mein Hochzeitslied. Michal: Muß es denn feinj? Ich zittre für dein Leben. O, zürne nicht, ich bin ein A^eib — und schwach. Kleinmütig will ich dich nicht machen. Ich weiß, Du wirst! den Kampf bestehn, wie nianchen andern, Doch fühl' ich Weh! Ein Pfeil geschickt gezielt, Und ich verliere dich auf immer! Nein, Es darf nicht sein! Zu grausam wär's! Ich will Zum Vater gehn, mich ihm zu Füßen werfen, Daß er die grause Morgengäb' erlasse. D cs v i d: Das wirst du nichtj! Nicht soll der König denken, Ich sei ein Feigling, der sein Wort nicht hält. j