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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-04-01 · Heft 4-5 (1.4.1906) · p. Seite 90

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 4-5 (1.4.1906)
Date
1906-04-01
Page
Seite 90 (sequence 20)
Language
German
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90 Jonathan: Du elend und warum? Mich-al: So einsam bin ich — Der Vater, sonst, nicht wie ein Vater, nein, Wie ein Gespiele war er stets um. mich. Ich war seiu Kätzchen, Schäfchen, Täubchen -- Und wie die tausend Koseworte heißen, Die seine Liebe jeden Tag erfand. Und jetzt lebt er die Tage traurig hin In düstrem Gram, sich selbst und andre quälend. Er geht an mir vorbei und sieht mich nicht! Und sieht er mich, blickt er mich traurig an, Zuweilen auch, von wilder Wut erfaßt, Ballt er die Faust und droht mir mit den Augen. — Jonathan: Ach^ Schwester,'ja, es ist ein großes Unglück, Daß über Vater kam der finstre Geist — Doch wirst du mir das Zeugnis nicht versagen, Daß ich, ankämpfend gegen all dies Leid, Stets heitev war und liebreich gegen Dich. M i ch a l: Stets liebreich war — Jonathan: Bin ich's nicht mehr? O sag'! Michal: Seitdem mit David du den Bund geschlossen, Bin ich dir nichts inehr — lebst nur noch für ihn. Jonathan: Du tust mir Unrecht, Schwester. Dieser Bund Macht dich nicht ärmer, macht nur reicher dich. Was ich mit Lieb' nnlfasse, liebt auch er, Und Hab' ich stets mit Liebe dein gedacht, Gesellt bei ihm zur Liebe sich Bewunderung, Nenn' ich dich nur, so leuchten seine Augen. M i ch a l (leidenschaftlich): Jst's wahr, ist's wirklich wahr? Ach, laß dich küssen, du guter Bruder. Nun ist.alles gut! Ich lache wieder, freue mich des Lebens. Jonathan: Ei, ei, vom tiefsten Trübsinn springst du schnell Empor zur höchsten Lust — dein Auge glanzt, Die Hand erzittert fieberhaft — 0, Mädchen, Wie , umgewandelt bist du! Ja, die Liebe Macht aus euch Weibern sonderbare Menschen. Michal: Bekennen will ich, daß ich David liebte Mit wilder Leidenschaft vom ersten Tag, Dcr ich ihn sah, Heimkehrend aus dem Kampf. Jonathan: Ei, ei, du hast es meisterlich verstanden, In deiner Brust zu wahren dein Geheimnis. Seltsame Dinge hört mein staunend Ohr! Denn wunderbar 1$t es, daß Michal liebt, Die kalte Michal, in sich stets gekehrt, Beschäftigt stets mit sich, den andern fremd. Verliebt nur in sich selbst. Doch wunderbarer noch, Daß sie den David liebt, den zu verkennen Und gar vor allem Volke zu verachten, Sie eifrig sich bestrebte. Kleine Heuchlerin! Hast du nicht gar gewarnt mich und den Vater Mit heft'gen Worten vor dem Ehrgeiz Davids? Michal: Ach, Jonathan, du weißt nicht, was ich litt! Wie Stolz und Leidenschaft sich in mir stritten! Er schien so kalt, als wollt' er sagen stets: „Du, kleine Königstochter, bist mir nichts! Bist auch ein kleines, dummes Mädchen nur, An dem ein Held, wie ich, vorübergeht — Gleichgültig, wie an andren dummen Mädchen."

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