Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Psendepigraphen, das jüdische hellenistische, nicht'minder aber auch das talmudische und midraschische Schrifttum. Letzteres Schrifttum charakterisiert der Verfasser indem er dasselbe als das Resultat der Gesetzesrichtung im Judentum bezeichnet, als ein solches, das sich jedem Versuche, den Mosaismus von den nationalen Fesseln zu befreien und ihn zur Weltreligion auszubauen-mit aller Macht entgegenstemmt, als ein solches, in welchem immer neue Ketten geschmiedet wurden um die ursprünglich universelle Lehre des Judentums national zu verengen -durch Verlebendigung alter und Schaffung immer neuer Ritnalgesetze, die es von der Außenwelt abschließen und jede weltumfassende -Regung ans seiner Machtsphäre bannen sollten. Richtig ist die Ansicht des Verfassers und das ist mit ein neuer Gesichtspunkt in seinem Werke, daß man fälschlich bisher in den „Minim" im Talmud, welche Thora und Auferstehung leugneten, die Anhänger Jesu, die Jndeuchristen finden wollte, wodurch talmudische Berichte, die mit dem Christentume gar nichts zu tun haben, mitdemselben in Zusammenhang gebracht wurden und wodurch natürlich der Talmud in eine schiefe Stellung zum entstehenden Christentume gelangte und immer gelangt. Hier wird die Ansicht Friedtänders allgemeine Billigung finden müssen und man wird wenigstens mit den Talmudstellen in welchen von „Minim" die Rede ist in Zukunft sorgfältiger und vorsichtiger verfahren müssen wie bisher, da die" selben in den ältesten talmudischen Quellen nur zur Bezeichnung von philosophierenden Inden gebraucht wurden, welche jeder Religion abhold waren, ob sie nun Judentum oder Christentum genannt wurde. Aber trotzdem, daß die „Minim" nicht mehr wie bislang sich zur Erforschung der Geschichte des Urchristentums kritiklos werden verwenden lassen, bleibt der Talmud als solcher dennoch für die Erforschung dieser Zeit eine überaus nächtige Quelle und der wird niemals in das Dunkel derselben völlig einzudringen vermögen, dem dieses Schrifttum ein Buch mit sieben Siegeln ist, weil es den Geist enthüllt, der das offieielle Judentum jener Zeit'beherrschte. Männer von prophetischer Fernsicht, meint Friedländer, waren nur im jüdischen Hellenismus zu finden, dessen Vertreter „gewaltig predigten, aber nicht wie die Schriftgelehrten", zu denen sie einen Gegensatz bildeten. Herr Dr. Friedländer, der in seinen jungen Jahren auch unter dem Banne der sogenmlnten jlidischen Schultheologie stand, hat sich von derselben, - wie er selbst hervorhebt, gänzlich frei gemacht und gelangt darum auch zu ganz anderen Ergebnissen, wie seine Fachkollegen, die so weit noch nicht gekommen. Er hält die Traditionen der griechischen Diaspora für die ursprünglichen, welche an das Prophetentum und an das vormakkabäische Judentum unmittelbar sich anreihten, während er chie Traditionen des Pharisäismus als die jüngeren zu Gunsten des zur Herrschaft gelangten Nationalismus, weil künstlich als minderwertig und durch falsche Gesetzesdentung entstanden, bezeichnet. Nach Friedländers Anschauung hat der Pharisäismus unter dessen Banne wie noch heute stehen, die natürliche Entwicklung des Judentums gewaltsam unterbrochen, seinen Lebensnerv unterbunden und es seiner ureigenen Mission vielfach Entfremdet, seinen Geist in andere von den Propheten nie geahnte Bahnen gelenkt, auf