Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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70 ■Referat« und Mitteilungen. „Der Bolksverächier", Roman von Hans Eschelbach, Berlin, Cöln, Leipzig Bei Albert Ahn. Preis br. 5 M, geb. 6 M. Es gilt wohl mehr für die Leserwelt, als für den schaffenden Künstler, wenn mit einigem Recht gesagt wird, unsere Zeit sei dem historischen Roman wenig günstig. Diese Zeit, der, man mag sagen, was man Witt, das schon beinahe banal gewordene Wort von der „Umwertung der Werte", ein bestimmtes Gepräge aufdrückt, ist eine Zeit der GärmW eine Zeit, in der die ernstesten Probleme religiöser, ethischer und sozialer Natur nach praktischer Lösung drängen. Der denkende Mensch aber läßt sich dann gern vom schaffenden Künstler sagen, wie in dessen Kopf die Welt sich malt, läßt mit Vorliebe Kunstwerke auf sich einwirken, in denen die großen Fragen seiner Zeit den Grundton angeben. Es sind vor attem das religiöse, ethische, soziale Drama, der Roman mit denselben Tendenzen, die dem warmen Interesse des ernsten Teiles der Leserwelt begegnen. Kein Wunder-, daß der historische Roman, in zerflossenen und abgeschlossenen Epochen der Geschichte wurzelnd, zurücktreten muß. So sehr sich aber auch der Künstler um die Erregungen und Bewegungen seiner Zeit kümmern, sie auf sich wirken, sie in seinen Schöpfungen zur Geltung kommen lassen sott, so wenig soll, so wenig kann er seinem inneren Wesen nach ihnen gestatten, ihn in seinem künstlerischen Drang zu beschränken. Er wird auch auf entschwundene Epochen zurückgreifen, wenn sie ihm der künstlerischen Gestaltung wert scheinen, wenn ihm das vor seinem geistigen Auge stehende Bild geradezu den Griffel in die Hand drückt. Darum wird auch der historische Roman sein, so lange es Künstler von bestimmter Eigenart giebt. Und — sofern es nur ein wahres Kunstwerk ist, sofern in ihnl uns der Odem des echten Künstlers weht — wird der historische Roman auch seine warmfühlende, sich begeisternde Lesergemeinde finden, wie eben jedes wahre Kunstwerk sich zur Anerkennung durchringt. Mag man es immerhin als eine Art Borwegnahme des Urteils ansehen, wenn ich mit dem Gesagten auf den vor kurzem erschienenen historischen Roman „der Volksverächter" von Hans Eschelbach Hinweisen will. In der . Tat stehe ich nicht an, dieses Werk des bekannten rheinischen Dichters als eins der bedeutsamsten Erzeugnisse der neueren Romanliteratur hinzustetten. Ju Otto Ludwigs unsterblicher Dichtung „Die Makkabäer" liegt doch wohl auch nach der Absicht des Dichters der Schwerpunkt weniger in dem Kampfe der beiden Völker als — dem Charakter des Dramas entsprechend — in dem eigentlichen tragischen Momente, das durch die Makkabäermutter, Lea und ihr eigentümliches Verhältnis zn ihren älteren Söhnen verkörpert wird. Anders im „Volksverächter" von Eschelbach. Vielleicht niemals vorher ist das gewaltige Ringen, das sich zur Zeit der Makkabäer zwischen Juden und Syrern einerseits, zwischen Judaismus und Hellenismus innerhalb der jüdischen Nation andrerseits abspielte, so anschaulich, so packend, die beiden Kulturen so scharf charakterisierend, dazu in so edler