Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Esra Tagger die Urkunde der Grundsteinlegung in hebräischer und bulgarischer Sprache und unter Gebeten und Chorgesang erfolgten die Einkapselung der Urkunde und die üblichen Hammerschläge. Ein Chorgesang beschloß die ergreifende Feier. — Der Newyorker Mäcen Jacob H. Schiff hat der Harvard-Universität 200000 Mark geschenkt, damit fünf Jahre lang jedes Jahr eine Forschungsexpedition nach Palästina ausgeschickt werde. — Man berichtet uns: In Krugersdorp (Transvaal) wurde Herr Joseph Seehoff, nachdem er im verflossenen Jahre das Amt eines Stadtrats inne hatte, zum Bürgermeister (mayor) gewählt. — Jacob H. Holländer von der Johns Hopkins Universität, welcher vor zwei Jahren Finanzminister von Porto Rico war, und die Insel durch eine geschickte Steuergesetzgebung aus allen finanziellen Nöten befreit hatte, ist jetzt vom Präsidenten Roosevelt als sein Spezialgesandter nach San Domingo geschickt worden, um die Finanzlage dieser Republik zu studiren. Herr Holländer ist Direktor einer jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaft, Vizepräsident des amerikanischen jüdischen Geschichtsvereins und Mitglied des Jewish Publikation Soziety. — „Der Fraind", die große jüdische im Jüdisch-Deutschen erscheinende Tageszeitung, ist von der Russischen Regieru^ verboten, der Herausgeber und Redakteur Ginzburg ist verhaftet worden. An Stelle des „Fraind" erscheint.im gleichen Berlage eine neue Tageszeitung: „Das Leben".! Die Herausgeber der in Wilna erscheinenden bekannten hebräischen Tageszeitung ^Hasmanü" geben seit dem 1. Januar auch eine Jargon-Tageszeitung unter dem Namen „Die Zeit" heraus. — Die Zahl der in Odessa an den Schreckenstagen vom 4.-6. November 1905 getöteten Juden ist jetzt definitiv festgestellt worden; sie beträgt 301. Bei 45 der auf dem jüdischen Friedhofe beerdigten Opfer konnte, da sie bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren, die Persönlichkeit nicht nachgewiesen werden. — In Buenos-Ayres fand jüngst die Grundsteinlegung der neuen Synagoge statt. Der Vorsitzende der „Congregacion Union Jsraelita Argentina", Herr Simon Ostwald, legte seine Ideen über Philosophie und Religion in einer Rede dar, wies auf das Anwachsen der israelitischen Kolonie, dank der argentinischen Gastfreundschaft, ^die auch er seit 35 Jahren genoffen habe, hin. Argentinien werde für die Israeliten ein zweites Palästina werden, wo sie geachtet leben können, wo viele menschenfreundliche Argentiner sich in humanitärer Weise ihrer annahmen. Nachdem der Redner die Intoleranz verurteilt, hjob er hervor, daß die Geschichte lehrt, wie diejenigen Völker, bei denen die Jsraelitesi am freiesten leben konnten, auch die wirtschaftlich vorgeschrittensten gewesen sind. Aüßer dieser Rede hielt Herr Trapp eine heitere, ebenso Herr Dr. Debenedetti eine kurze Ansprache, worauf die Grundsteinlegung erfolgte. Mit einem Bankett, das im Saale der Gesellschaft „Les Enfants de Beranger" abgehalten wurde, fand die Feier ihren Abschluß.