Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2970002-2970006--7895-2978591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
59 Morte des Dankes» gesprochen beim Festmahle am 21. Juni 1840 in Frankfurt a M. von Gabriel Riesser. Nach so Manchem tiefgefühlten Danke, habe ich noch einer! aus dem Grunde der Seele darzubringen, den ich gern an das begeisterte, so eben den Frauen dargebrachte Hoch anknüpfe. Es ist mir heute durch die überaus große Güte Ihrer Frauen, durch einen im höchsten Grade ehrenden Beweis des Wohlwollens und der Teilnahme eine hohe, ewig unvergeßliche Freude geworden. Welcher Mann würde sich nicht durch den Ausdruck einer solchen Gesinnung von Seiten solcher Frauen entzückt, gehoben und weit über alles Verdienst belohnt fühlen! Sie wissen ja, was des Mannes Seele vor Allem reizt, was kein männliches Gemüt entbehren mag, und was zu erringen ein Jeder gern das Höchste daran setzt. Der Lorbeer ist es und die Gunst der Frauen — nach dem Worte des Dichters. Wie schön, wenn uns beides, in einem hohen Gewinne zuteil wird, wenn sich die Blumen des freundlichsten Wohlwollens um die Blätter des Lorbeers winden, wenn die herzliche Güte holder Frauen sich mit der in diesem Maße gewiß unverdienten Anerkennung eines wohlgemeinten Strebens paart. Wohl war es auch in der Vorzeit der Beruf der Schönheit, dem Sieger den Preis darzureichen; aber eben die sieggekröute ^raft allein hatte damals auf solche Huldigung Anspruch; der Unterliegende,. auch der mit Ehre und Tapferkeit Unterliegende, durste sich ihrer nicht rühmen; ihm lächelte kein beifallstrahlender Blick; er mußte mit dem Siegeskranze auch das nicht minder schwer vermißte, die Gunst und die Achtung der Frauen, entbehren. So hat die Schönheit, vielleicht oft wider Willen, dem Glücke, dem Erfolge, der rohen Kraft dienen müssen; dem eignen, besseren Gefühl vielleicht entgegen, hat sie dem Schwächeren, auch wenn er im Rechte war, hat sie dem durch die Gewalt Unterdrückten nicht huldreich zu lächeln gewagt. Die mildere Sitte unserer Zeit stellt solche Förderung nicht mehr an die Fvauen; sie überläßt es ihrer freien Wahl, dem Gefühle ihres eignen Herzens, wen ihre Hand bekränzen mag, wen ein erhebendes Zeichen der Ehre und der Achtung beglückest soll. Und siehe, es ist nicht mehr der blendende Erfolg, sticht mehr die siegende Kraft,! nicht mehr die glänzende, glückliche Tat allein, welchen der lohnende Kranz des weiblichen Beifalls, die rührende Huldigung der Schönheit zuteil wird; es ist der reine Wille, das aufrichtige Streben, der wohlmeinende Sinn, auch wenn sie von Siegen und Erfolgen noch wenig zu rühmen wissen. Ihre Frauen haben hestte eine edle Teilnahme dem Pertreter eines Strebens ausgedrückt, das nicht verlockend ist durch den Glanz seiner Kämpfe, noch weniger seiner Siege. Die gute Sacht des Rechtes unserer Glaubensgenossen, an die ich meinen Namen mit Stolz geknüpft sehe, und der ich so vielfache Beweise von Liebe und Achtung, welchen die Güte Ihrer Frauen die Krone aufgesetzt har, verdanke — diese Sache glich lange selber fast einer verlassenen Dame, für die nur selten ein Ritter in die offenen Schranken treten mochte. Selbst wer es