Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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57 der Nationalliberalen. Am 7. September 1849 ward er in den Berfaffungsausschuß gewählt, für den er mehrfache wichtige Berichte erstattete. Als in Preußen das Ministerium Brandenburg-Manteuffel den Belagerungszustand erklärtes begründete Riester im Parlament den Antrag auf Entlassung des preußischen Ministeriums mit folgenden prophetischen Worten: „Ob die Fahne der rechtlichen, der gesetzlichen, der gemäßigten Freiheit, die wir erheben, in diesem Augenblicke schon siegen wird, ob wir unter dieser Fahne siegreich aus dem Kampfe hervorgehen werden, oder ob erst nach langen hlutigen Kämpfe unser Vaterland zu den Grundsätzen, die wir vertreten, zurückkehren witd, ich weiß es nicht, meine Herren, aber das weiß ich, daß, wenn wir auch unterliegen sollten, unsere glücklicheren Nachfolger einst dasselbe Panier auf unseren Gräbern aufpflanzen und unter ihm siegen werden; denn es giebt kein anderes, unter dem das Wohl dK^Vaterlandes dauernd gedeihen kann." In glänzender, mehrstündiger Rede begründete Riester im >März 1849 den Welker scheu Antrag auf Ln dlov- Annahme der deutschen Reichsverfastung mit Übertragung der Katserwürde an den König von Preußen. Er wurde allseitig! um dieser Rede willen beglückwünscht. Der Antrag fiel — die Verfassung ward durchbehaten und angenommen. Riester, gehörte zu der Deputation, die dem König von Preußeü die Erwählung zum Kaiser anzeigen sollte. Es'war am 1. April 1849. „Ich fürchtet — sagte Riester vorahnend einem Bekannten — „wir werden in den April geschickt.^ Inzwischen war in Hamburg eine freisinnige Verfassung zustande gekommen und Riester sah endlich in seiner Vaterstadt seine Lebensaufgabe erfüllt: er und seine. Glaubensgenossen wurden Hamburger Bürger. Im Jahre 1850 lvählte ihn Hamburg in das Erfurter Parlament. Nach Jahpen der angestrengten beruflichen Tätigkeit folgte die Handelskrisis im Jahre 4857. Sie machte sich in Hamburg besonders fühlbar, führte den Notaren eine ungewohnte Arbeitsüberlastung zu und war für Riester, den edlen, herzensguten Menschen, gußerdem noch an Aufregungen reich, da er genötigt war^ durch seine Proteste den geschäftlichen Untergang so Vieler zu beurkunden. In der Aufregung hierüber legte er das Notariat nieder, ein Amt, dessen Überbürdung ihn schon seit Jahren gedrückt hatte. Er trat nun in die Advokatur. Die 1858 in Preußen erwachte „neue Aera" führte auch Riester wieder dem öffentlichen Leben zu. Er ward in den Ausschuß des Nationalvereins gewählt, hielt zum Schillerfest 1859 im Aufträge des Festkomitee im Stadtheater eine ergreifende Festrehe, ward ün selben Jahre in das Hamburger Abgeordneteinhaus, die sog. Neue Bürgerschaft gewählt und deren Vizepräsident, erklärte sich hierfür fakultive Civilehe und schrieb in den Preußischen Jahrbüchern zu Gunsten der — von Justizminister Simoüs bestrittenen — Qualifikation der Juden zu Richterämtern. Schon zuvor vom Hamburger Handelsgericht unter den vier Männern aufgestellt, aus denen ein Bize-