Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Die Juden können nach Bauer kein Bürgerrecht beanspruchen, weil das Judentum untergehen müsse wie das Christentum, nur im freien philosophischen Staate gebe es Freiheit. Ihm erwiderte Riester in Weil's „konstitutionellen Jahrbüchern". — In die Jahre 1842 fallen noch zwei größere Schriften Riesser's über die Stellung der Juden in Preußen. — Auf Einladung des Siebener-Ausschusses, den die hervorragendsten liberalen Volksvertreter im Februar 1848 eingesetzt, trat am 31. März 1848 das Vorparlament zusammen, das aus bisherigen^Abgeordneten und sonst hervorragenden Männern bestand — unter ihnen war — besonders eingeladen — Gabriel Riester. „Schon in diesem Vorparlament machte sich" — wie Biedermann in den „Erinnerungen aus der Paulskirche" hervorhebt — „Riester durch die gewandte Auseinanderwicklung einer schwierigen Fragstellung bemerklich, wodurch er den Verlegenheiten des Präsidenten und der Versammlung zu Hülfe kam." Auf seinen Antrag ward beschlossen, daß für das Parlament jeder volljährige Deutsche ohne Bedingung des Standes, Vermögens und Glaubensbekentnissens wähle und wählbar sei. Riester ward im Herzogtum Lauenburg zum Abgeordneten für das Frankfurter Parlament gewählt und nahm in diesem, erst als Mitglied, später als Vorsitzender des Prioritäts- und Petitionsäusschustes, zuletzt als zweiter Vizepräsident eine hervorragende. Stellung ein. Der Höhepunkt seiner parlamentarischen Tätigkeit, der herrlichste Erfolg seiner fruchtbaren Lebenstätigkeit war seine unmittelbare, eingreifende Tätigkeit bei Beratung der Grundrechte, vor allem des § 13: Durch das religiöse Bekenntnis wird der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Nur ein Redner sprich dagegen: Moritz Mohl; er wollte den Juden nur das Wahlrecht gewährleistet sehen, alle anderen Rechte sollten Gegenstand besonderer Gesetzgebung der Einzelstaaten oder des Reichs sein. Er begründete das mit den alten, ewig wiederkehrenden Vorwürfen: die Juden sind fremd, treiben Wucher, wirken volksverderblich. Da ward Riester die Genugtuung zuteil, das, was er Jahrzente hindurch in Schriften so unermüdlich, so tapfer, so gründlich, so geistvoll und herzerquickend verfochten, angesichts des deutschen Volkes in freier Rede darzulegen. Er führte aus: Den Polen in Preußen, die wirklich fremd, die nicht deutsch reden, aber in Deutschland wohnen, habe man Rechtsgleichheit gewährt, den Juden, die Deutsche seien, wolle man sie verweigern! Nicht sie, die bisherigen Gesetze seien Schuld, wenn sie nur untereinander heiraten. Übeltaten möge man strafen, nicht die ganze Religionsgenossenschaft. Es kann hier nicht der'Ort, noch weniger, an der Zeit sein, auf Riesters parlamentarische Tätigkeit des Weiteren einzugehen. Mit dem Herzen zur Linken gehörig, folgte er iw Laufe des Jahres 1848 unter den Eindrüken widriger Pöbelaufläufe der mehr nach rechts treibenden Strömung der später sogenannten Gothaer, der Vorgänger