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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-03-01 · Heft 3 (1.3.1906) · p. Seite 55

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 3 (1.3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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55 ,Mas mir a^s das höchste Ideal vorschwebte, war ein Sitz in der Ständeversamchlung; dieses wäre auch, wie ich jetzt glaube, nach erworbenem Bürgerrecht nicht, so gar schwer zu erhalten gewesen, aber hätte mir, wie die Verhältnisse sind und nach dem Gebrauch, den ich davon gemacht haben würde, vielleicht einige Ehre, aber gewiß keinen Porteil gehrpcht." 1839 starb der einzige jüdische Notar in Hamburg, der Gemeindesekretär Bresselau. Riesser bewarb sich um das Notariat in Hamburg. Ter Senat brachte auf dies sein Bewerbungs-Gesuch einen Gesetzentwurf an die Erbgeseflene Bürgerschaft, um Zulassung von einejrn bis zwei jüdischen Notaren. Es ward angenommen und Riesier zum Notar ernann^. (1840.) Über 200 Freunde und Gesinnungsgenossen gaben dem nach Hämburg Hei^mkehrenden in Frankfurt a. M. ein Festmahl, frankfurter Frauen widmeten ihm ein «silbernes Schreibzeug. Ihnen erwiderte er: ^Die gute Sache des Rechts unserer Glaubensgenosien, an bije ich meinen Namen mit Stolz gekniipf^ sehe, glich lange fast einer verlassenen Dame, für die nur selten ein Ritter in die offeüe Schranke treten mochte. Selbst wer es gut mit ihr meinte, wer redlich für sie strift, scheute sich doch meist, in offenem Kampfe ihre Farben zu tragen. Wer die Lanze tapfer für sie einlegte, glaubte doch ihr Wappen! mit dem farblosen Schilde verdecken pder gar auslöschen, ihre Feldzeichen mit Flor umhüllen zu rnüsien, halb zyrn Zeichen j der Trauer, halb zur Verhüllung. Die Frauesi haben diese verschmähten Farben I und Feldzeichen zu den ihrigen gemacht, sie hyben sie für immer hoch geehrt und Jedermann wird fortan stolz sein, sie zu tragen."! Auch von vielen anderen Gemeinden, wie Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Kassel durch Adressen und Ehrengaben ausgezeichnet, kehrte Riesier im Juli 1840 nach Hamührg, fortan der dauernden Stätte seines Wirkens, seiner Größe zurück. In Hamburg ward Riesser bald ein vielgesuchter Notar. Trotz der Überlastung mit Geschäften, rpidmete er sich gemeinnützigen Angelegenheiten, der Verwaltung des neuen Tempels, Wohltätigen Stiftungen, trat in das Vorsteherkolleigium ein, schrieb zu Gunsten der Glaubensgenossen in Schleswig-Holstein. Als im Tempel ein neues Gebetbuch eingeführt t^urde, das Rabbiner Bernays in hierarchischer Anmaßung mit dem Bann belegte, entwickelte Riesser als Vorsteher der Tempelgemeinde eine erfolgreiche Tätigkeit, er wieß die Unzuständigkeit des Rabbiners Bernays nach, holte zustimmende Gutachten fortschrittlicher Rabbiner ein. Der Vorstand der Gesamtgemeinde verlangte vom Senat, er solle der Direktion des Tempels für ihr Vorgehen einen Verweis erteilen. Riesser errang der Tempelgemeinde den Sieg. Ihr Gebetbuch ist heute noch im Hamburger ^empel und darüber hinaus, selbst in Amerika, in anerkannter Übung. In derselben Zeit griff der --- seitdem zu den Kreuzzüitungsmännern übergetretene, damal s blutrote Brunno Bauer in den höllischen Jahrbüchern die Juden von ultraradikalem Standpunkte an — wie dies ja bis in die neueste Zeit von vielen Nachbetern geschehen.

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