Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Jahre 1833 tr|at Riester in die Redaktion der Hainburgischen Abendzeitung, „Liste der Börsenhalle", fsir den Artikel Frankreich ein. Diese Beschäftigung ließ ihm hinreichend Zeit für seinen!Lebensberuf, für die Rechtsstellung seiner Glaubensgenossen, zu wirken. Er schrieb eine „Denkschrift über die Verhältnisse der hamburgischen Israeliten", die dem Rat überreicht würde. In ihr ward 1834 nur Zulassung zum Handwerk und zur Advokatur erbeten.! 1836 zog Riester von Hamburg nach Bockenheim. Zuvor hatten ihm die badischen Glaubensgeiiossen das schöne Oppenheim'sche Originalbild: „Die Heimkehr des jüdischen Kriegers" (aufgeüvmmen in die bekannte Photographien-Sammlung, Bilder aus dein jüdischen Familienleben) verehrt, seine Hamburger Glaubensbrüder überreichten dem scheidenden Riester am .27. April 1836 eine goldene Denkmünze, wiederum nach einer schönen^Zeichnung des talentvollen Oppenheim: Eine Mutter — die Liebe — nährt zwei Kinder an ihrem Busen, vor ihr kniet flehend eine gefesselte Jüdin mit den hebräischen Zehn-Geboten, ihr gegenüber sitzt stolz eine Christin, mit Krone, Scepter und Kreuz. Die Umschrift lautet: „Haben wir nicht Alle einen Vater, hat nns^nicht ein Gott erschaffen? Maleachi 2, 10." Die Rückseite trägt die Inschrift: „Dem Streiter für Recht und Freiheit Dr. Gabriel Riester, seine hamburgischen Glaubensgenossen 1836." Diese Münze — in Bronze vervielfältigt — wa^d ihm bei einem Festmahl überreicht. Riester dankte mit dem Trinkspruch auf „die bürgerliche Gleichstellung der Juden in unserin ganzen deutschen Vaterlande". „Ich bin" — sagte er bescheiden — „der guten Sache der Gewissensfreiheit bisher weit inehr schuldig, als sie mir, und es niuß noch viel geschehen, bis diese Rechnung zwischen uns ausgeglichen ist. Möge mein glückliches Loos, mein heiteres blumenbekrünztes- Märtyrerthum Manchem eine Lehr« sein, daß man auch ohne Schaden für das eigene Wohlsein auf manches äußere Gut, welches der herrschende Glaube sich Vorbehalten hat, verzichten kann und höhere Güter in dem Kampfe für eine heilige Sache gewinnen." In Bockenheim lebte Riester von 1836 bis 1840. Als im'Jahre 1838 für das herrliche Standbild Lessing's, das Rietschel geschaffen, von einem Komitee in Braunschweig eine Volksversammlung veranstaltet wurde, schrieb Riester: Einige Worte über Lessing's Denkmal, an die Israeliten Deutschlands gerichtet. Der Ertrag dieser vortrefflichen Schrift war zur Beisteuer für das Denkmal bestimmt und ergab 530y» Thl. Diese Schrift gehört zu dem Besten, was über Leffing geschrieben ist. Riester bewarb sich um das kurhessische Bürgerrecht. Nach achtzehnmonatigem Warten ward er — weniger als Jude, denn als freisinniger Mann — abschlägig beschieden. Das verleidete ihm auch den Aufenthalt in Bockenheim. Er schrieb darüber (20. Januar 1840) einer Freundin: